Schlaf – Verzweifelt gesucht

Der Körper hundemüde, der Geist hellwach – kommt euch das bekannt vor? Genau so ist es mir letzte Nacht ergangen…Es ist zum Verzweifeln.

Trotz bleierner Müdigkeit liege ich wach, die Augen geschlossen. Ich lausche in die Dunkelheit und höre die regelmässsigen Atemzüge meines Mannes.

Die Katze scharrt in der Kiste. Im Gegensatz zu mir sind Katzen nachtaktiv. Just in diesem Augenblick könnte ich ihr den Hals umdrehen. Ein übler Geruch steigt mir in die Nase und ich versuche, ihn zu ignorieren. Ich bin angespannt. So wird das nichts mit dem Einschlafen. Die Gedanken drehen sich im Kreis, wollen einfach nicht zur Ruhe kommen.

Die Maschine in meinem Kopf und Briefe an Gevatter Tod

Die Maschinerie in meinem Kopf läuft auf Hochtouren. In Gedanken verfasse ich einen Brief an Gevatter Tod und bitte ihn darin, meine Eltern bald zu erlösen. Mir scheint, als lasse er sich bei meinen Eltern unheimlich viel Zeit. Doch die Zeit ist dann reif, wenn er es für richtig befindet. Mit dem Tod kann man nicht verhandeln, denn das Leben ist kein Märchen. Er kennt kein Alter, kein Leid, keine Gnade. Wüste Fratzen tanzen in meiner Fantasie einen grausigen Tanz. Ob meine Eltern ihr Schicksal begreifen? Gibt es überhaupt jemanden, der sein Schicksal begreifen kann?

Kein Wunder, dass ich so nicht einschlafen kann.

Ich blinzle in die Dunkelheit und es gelingt mir, die Bilder zu vertreiben. Mein Herz schlägt viel zu schnell. In der Ferne höre ich das entfernte Schlagen einer Kirchenuhr. Es ist drei Uhr. Dann herrscht endlich Stille. Ich tappe zum Kühlschrank und trinke ein Glas Milch und lege mich wieder ins Bett. Doch der Schlaf kommt nicht, obwohl mich vor lauter Müdigkeit bereits die Beine schmerzen. Verzweifelt suche ich nach der richtigen Position und wälze mich von einer Seite auf die andere. Das Blut rauscht in meinen Ohren. Es wäre durchaus sinnvoll, noch etwas zu lesen, doch dazu kann ich mich nicht aufraffen.

Vom Zählen und bunten Schafen

Ich zähle langsam von eins bis zehn. Das hilft mir normalerweise gut, wenn ich keinen Schlaf finden kann. Ohne Schafe. Denn meine Schafe haben in dieser Phase die Tendenz, grün, blau, orange oder irgendeine andere Farbe anzunehmen. Und statt über einen Zaun zu springen, schlagen sie heiter Purzelbäume oder machen sonst irgendwelche verrückten Sachen. So kommt das Gehirn nie zur Ruhe. Von wegen man kann seine Gedanken steuern, denke ich und weiss es doch besser – manchmal ist das ganz schön anstrengend. Gerade in der Nacht scheinen sich die Gedanken wie zu verselbständigen. Das ist so was von ätzend.

In der Zwischenzeit sind etwa zwei Stunden vergangen, eine gefühlte Ewigkeit. Ich drehe mich auf meine Lieblingsposition und warte. Mein Mann murmelt unverständliche Worte im Schlaf. Der Glückliche. Ich stehe auf, gehe nach draussen und zünde mir eine Zigarette an. Die Glut leuchtet in der Nacht wie ein Glühwürmchen. Ich denke an Südafrika. Ein Hauch von Melancholie überkommt mich und lässt meine Gedanken in die Ferne schweifen.

Zurück auf Anfang, zurück ins warme Bett. Lieblingsposition einnehmen, das Kissen unter den Arm klemmen und zählen. Eins, zwei, drei, …Konzentration. Nur nicht abschweifen. Und wieder von vorne – eins, zwei, drei, vier, fünf…Ich spüre die Erschöpfung am ganzen Körper. Egal, alles egal. Endlich ergreift der Schlaf Besitz von mir und ich kann loslassen. Abtauchen. Herrlich, einfach nur herrlich. Willkommen im Land der Träume und gute Nacht.

Was sind eure Tricks, wenn ihr trotz bleierner Müdigkeit nicht einschlafen könnt?

 

 

 

 

Verfasst von

Ich stehe mitten im Leben und schreibe darüber. Über das Leben mit all seinen Facetten. Mal bunt, mal düster, mal witzig, mal ernst. So, wie das Leben eben ist. Immer in Bewegung. Sowohl privat (Mutter von drei Kindern 9, 10 & 12 Jahre alt) als auch beruflich interessiere ich mich für Psychologie - ich bin diplomierte Einzel-, Paar- und Familienberaterin. Schreiben ist nicht einfach ein Hobby - es ist Leidenschaft.

4 Kommentare zu „Schlaf – Verzweifelt gesucht

  1. Wäre ebenfalls dankbar für jeden diesbezüglichen Trick 😊 Fürchte nur, dass es keinen gibt – sonst würden wir ja alle schlafen wie die Weltmeister …

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  2. Ich bin 59 Jahre alt und habe seit etwa 10 Jahren Schlafstörungen. Das Einschlafen ist kein Problem, am Steuer könnte ich gut einschlafen. Im Geschäft schlafe ich ab und zu ein, dieser Schlaf ist aber sehr kurz. In der Nacht erwache ich nach 2 bis 5 Stunden Schlaf, gehe auf die Toilette und lese dann etwa eine Stunde. . .. Früher konnte ich unterwegs (Auto (als Mitfahrer), Zug und Flugzeug) lange schlafen, jetzt schlafe ich auch dort nur kurz, dafür öfters.

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  3. Mein Rezept in solchen Situationen ist leichter gesagt als getan, auch für mich: loslassen.

    Die Gedanken zu Bildern werden lassen und diese dann ruhiger betrachten – im Sinne von weniger detailliert. Bis sie irgendwann in Träume übergehen. Vielleicht funktioniert das bei mir aber auch nur, weil ich sehr exzessiv träume, ich verarbeite buchstäblich alles nachts…

    Für heute eine ruhige Nacht dir!
    Deine Cathi

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