Der etwas andere Adventskalender

Wenn ich die Zimmer meiner drei Kinder betrete, stelle ich immer wieder mit Schrecken fest: Hier gibt es Spielzeug im Überfluss. Lego, Playmobil, Puzzles, Barbies, Roboter, Stofftiere, Autos, Fussballbälle – Zu viel, zu viel, zu viel…

Als ich anfing, mir über den diesjährigen Adventskalender für die Kinder Gedanken zu machen, wurde mir rasch klar, dass es in diesem Jahr keinen Playmobil-, Lego- oder Barbie-(schlag-mich-nicht-tot)-Adventskalender geben wird.

Als ich erst ein Kind hatte, habe ich den Adventskalender jeweils liebevoll mit kleinen Sachen gefüllt, von denen ich wusste, dass meine Tochter daran Freude haben wird. Als jedoch das dritte Kind da war, hörte ich damit auf. Es ist nämlich eine echte Herausforderung, sich für drei Kinder 24 Tage lang (man rechne…) etwas Besonderes auszudenken. Der Adventskalender-Industrie sei’s gedankt.

Auch ich bin ein Kind dieser heutigen, verdammten Konsum- und Wegwerfgesellschaft. Vielleicht, nein sogar ziemlich sicher, liegt es in diesem Jahr daran, dass ich der festen Überzeugung bin, dass wir Menschen uns ändern müssen, damit es überhaupt eine kleine Chance auf Besserung gibt. Für die Welt, in der wir leben – für den Planeten, auf dem wir leben. Und im Moment nicht gerade friedlich. Darum will ich es in diesem Jahr anders machen. Für die bedingungslose Liebe und dafür, dass wir näher zusammenrücken und gestärkt erkennen, dass man Glück nicht kaufen kann, auch wenn es manchmal den Anschein erweckt.

Der Weg

Letzten September habe ich ein Seminar von Tribute besucht. Thema des Seminars war „Fertig lustig – mir z’lieb“.

Viele Frauen sind wahre Künstlerinnen, wenn es darum geht, sich in andere hineinzufühlen. Das führt jedoch in manchen (vielen) Fällen dazu, dass Frau sich dabei selber vergisst. In diesem Seminar, geleitet von der wunderbaren Sara Satir und Kafi Freitag, lernt Frau, die eigenen Interessen besser zu vertreten, und zwar ohne dabei an einem schlechten Gewissen zu leiden.

Wie bei den meisten Seminaren zu solchen Themen ist Nachhaltigkeit ein Zauberwort, denn um lang antrainierte Gewohnheiten verändern zu können, braucht das Hirn Training. Regelmässiges Training. Wenn wir nicht trainieren, verfallen wir rasch in unsere alten Muster und Gewohnheiten. Nach dem Seminar wurden die Teilnehmerinnen aufgefordert, sich 28 Tage lang etwas Gutes zu tun – etwas einfach „mir zuliebe“ zu machen. Das fiel mir nicht allzu schwer, lediglich die Sache mit dem schlechten Gewissen konnte ich mir bis heute noch nicht ganz abgewöhnen. Aber ich arbeite daran.

Was ich dabei festgestellt habe? Ein „mir zuliebe“ ist manchmal auch ein „dir zuliebe“. Ich erkläre das mal anhand eines Beispiels. Ich nehme dafür das Fussballspielen, damit auch die Männer, welche diesen Beitrag lesen, auf ihre Kosten kommen.

Wenn ich mir über Mittag eine halbstündige Ruhepause auf dem Sofa gönne, um danach wieder fit zu sein, um mit meinen beiden Söhnen Fussball spielen zu können, ist das ein „mir zuliebe“, das in einem „euch zuliebe“ endet. Eine klassische Win-Win-Situation.

Es geht aber auch umgekehrt…Ich bin zwar hundemüde, lege mich jedoch nicht aufs Sofa und spiele anfangs noch sehr unmotiviert. Das Fussballpiel ist aber toll und ich realisiere, dass es mir gut tut, mit den Jungs rumzutollen. Auch eine Win-Win-Situation, oder?

Warum ich euch das erzähle? Weil mir aufgrund dieser Überlegungen die Idee zum diesjährigen Adventskalender durch den Kopf geschossen ist –einem „dir-zuliebe-Adventskalender“.

An jedem der kommenden 24 Tage schenkt jemand einem Familienmitglied etwas, das er ihm zuliebe tut und dem Beschenkten Freude bereitet. Aufgeschrieben hat jeder seine „dir-zuliebe“ auf einem Kärtchen. Beispiele gibt es viele: Zimmer aufräumen, eine Massage, ein Ämtli übernehmen, Kaffee ans Bett bringen, ein Verwöhnnachmittag, das Lieblingsessen kochen oder eine Geschichte vorlesen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

So bekommt jeder von uns vier- respektive fünfmal ein „dir zuliebe“ in der Hoffnung, dass daraus ein „mir zuliebe“ wird. Was heisst hier Hoffnung…Ich bin sogar überzeugt davon.

Auf eine friedvolle, besinnliche und kuschlige Adventszeit.

Eure Franziska

Und ihr so? Wie sieht eurer Adventskalender aus? Klassisch oder habt ihr euch auch etwas Spezielles dafür ausgedacht?

 

Verfasst von

Ich stehe mitten im Leben und schreibe darüber. Über das Leben mit all seinen Facetten. Mal bunt, mal düster, mal witzig, mal ernst. So, wie das Leben eben ist. Immer in Bewegung. Sowohl privat (Mutter von drei Kindern 9, 10 & 12 Jahre alt) als auch beruflich interessiere ich mich für Psychologie - ich bin diplomierte Einzel-, Paar- und Familienberaterin. Schreiben ist nicht einfach ein Hobby - es ist Leidenschaft.

10 Kommentare zu „Der etwas andere Adventskalender

  1. „Mir zuliebe“ „dir zuliebe“ ist sehr sehr interessante , moderne, sinnvolle, nachhaltige , praktische Idee für der Adventskalender. Gratuliere!
    Bei mir Zuhause machen wir Spielen und Geschickten.

    Gefällt 1 Person

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