Damals – Erinnerungen einer Dreifach-Mutter

Der Frühling ist im Anmarsch und hat bereits sachte an die Tür geklopft. Ich kann es kaum erwarten, dass die warmen Sonnenstrahlen meine Haut kitzeln und meinen Vitamin-D-Speicher auffüllen. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum ich mich gerade an früher erinnere. Damals habe ich das Ende des Winters jeweils richtiggehend herbeigesehnt. Das hatte durchaus seine Gründe.

Ein Spektakel in mehreren Akten

Es ist noch gar nicht lange her, da war ich zeitweise eine total gestresste Mutter.

Vor allem im Winter. Drei Kleinkinder. Ein Mädchen, zwei Jungs. Ein, zwei und vier Jahre alt. Wir wollten raus auf den Spielplatz, sonst wäre mir zu Hause die Decke auf den Kopf gefallen.

Kaum war das erste Kind komplett und „winter-spielplatz-tauglich“ (Jacke, Mütze, Schal, Handschuhe und dicke Winterstiefel) angezogen, damit wir endlich an die frische und saumässig kalte Winterluft rauskamen, schrie Kind zwei Zeter und Mordio. Gefüttert, frisch gewickelt, bequem gebettet. Mal rausfinden, was es hat. Nicht immer ganz einfach, zumindest in so einer Situation, wo alle drei auf meine Hilfe beim Anziehen angewiesen waren.

Kind eins bekam in der Zwischenzeit einen Hitzestau und wollte sich nur noch die Kleider vom Leib reissen. Ich konnte es so was von gut nachvollziehen, aber leider nicht zulassen, denn sonst wäre das ganze Anziehprozedere von vorne losgegangen. Es habe viiiieeeelll zu heiss, jammerte es und versuchte sich aus der Jacke zu puhlen. Kind eins begann zu weinen und weigerte sich, schon mal alleine vor die Tür zu gehen, obwohl es im Treppenhaus deutlich weniger heiss war. Auch ich bekam warm. Aber nicht ums Herz. Richtiggehend heiss war’s mir, auch ohne Winterkleider.

Es galt, Ruhe zu bewahren. Nur nicht die Nerven verlieren.

Das T-Shirt klebte mir am Körper. Wie ich das gehasst habe.

Kind drei spielte derweil seelenruhig  mit seinen Bauklötzen und wirkte zufrieden. Gut so. Eins nach dem anderen.

Kind zwei hat sich in der Zwischenzeit wieder beruhigen lassen und ist schon beinahe eingeschlafen. Braves Kind, gutes Kind. Ich kann es warm einpacken und in den Kinderwagen legen.

Wie friedlich es schläft, als könnte es kein Wässerchen trüben. Geschweige denn schreien wie am Spiess.

Kind drei müffelt. Hat sich grad die Windeln voll gemacht, dabei habe ich es doch vor noch nicht mal einer Stunde frisch gewickelt. Vielleicht sind’s auch schon zwei, egal. Der Verdauungstrakt meines Kindes meint es nicht gut mir mir. Warum sollte er auch? Scheiss-Timing. Danke, lieber Gott. Du kackst mich mal…äh, kannst mich mal. In der Zwischenzeit hat sich Kind eins meiner erbarmt und ist schon mal alleine zum Spielplatz vor dem Haus gelaufen. Ein Hoch auf die frühe Förderung von Selbständigkeit.

In aller Ruhe kann ich Kind drei frisch machen und ebenfalls warm anziehen. Endlich, alle sind parat. Und ich kann draussen an der frischen Luft abkühlen – eine wahre Wohltat für mein erhitztes Gemüt.

Damals, Heute und Morgen

Damals kam mir das situativ mühsam und ultra anstrengend vor und ich hätte nicht im Traum daran gedacht, dass ich solche Erlebnisse eines Tage eigentlich ziemlich amüsante finde. “Damals“ ist übrigens jetzt neun Jahre her. Aus der heutigen Perspektive betrachtet, war das Ganze jedoch nur eine kurze Phase in meinem Dasein als dreifache Mutter. Längst sind meine drei Lieblingsmenschen nicht mehr auf meine Unterstützung beim An- und Ausziehen von Kleidung angewiesen.

Und um es oberdramatisch zu formulieren: Bald werden sie ausziehen. Snief, vermutlich schneller, als mir lieb sein wird.

Und mir wird eine Schatzkiste voll mit wunderbaren Erinnerungen bleiben.

Genau das sind solche Geschichten. Auch wenn es einem noch so gefordert hat, am Ende wird das Erlebte eine Geschichte. Geschichten, die uns an „damals“ erinnern. Eine von vielen, bei denen es mir ganz warm wird ums Herz, wenn ich daran denke.

 

 

Verfasst von

Ich stehe mitten im Leben und schreibe darüber. Über das Leben mit all seinen Facetten. Mal bunt, mal düster, mal witzig, mal ernst. So, wie das Leben eben ist. Immer in Bewegung. Sowohl privat (Mutter von drei Kindern 9, 10 & 12 Jahre alt) als auch beruflich interessiere ich mich für Psychologie - ich bin diplomierte Einzel-, Paar- und Familienberaterin. Schreiben ist nicht einfach ein Hobby - es ist Leidenschaft.

2 Kommentare zu „Damals – Erinnerungen einer Dreifach-Mutter

  1. Danke, liebe Isabelle.Das waren noch Zeiten. Wenn ich mich zurück erinnere, kommt es mir vor, als ob’s erst gestern war. Und doch sind schon so viele Jahre vergangen. Unglaublich.

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