Fussball – Eltern ausser Rand und Band

Fussball - Eltern ausser Rand und Band

Mein Jüngster spielt seit bald drei Jahren Fussball in einem Fussballclub. An den Wochenenden finden in regelmässigen Abständen immer wieder Turniere statt , an die man als vorbildliche Eltern selbstverständlich so oft wie möglich hingeht, um den Junior zu begleiten und ihn und seine Mannschaft anzufeuern. Unter Fussballeltern ist das Ehrensache. Mannschaftssport eben. Da steht man, wenn es sein muss auch morgens um acht Uhr, auf dem Fussballplatz. Ich besten Fall scheint die Sonne. Das Wetter ist jedoch nicht das matchentscheinde Kriterium.

An solchen Turnieren werde ich immer wieder Zeuge, wie bei gewissen Eltern (bei Vätern deutlich vermehrt zu beobachten) die Sicherung durchbrennt. Während die Kleinen (mittlerweile F-Junioren) dem Ball hinterher rennen und vollen Einsatz geben, geht am Rande des Spielfelds die Post ab.

Ich muss immer wieder erschreckt feststellen: Für viele Eltern ist Fussball kein Spiel, sondern eine ernste Angelegenheit. Bitterer Ernst. Für diese Mütter und Väter ist Fussball in erster Linie Sport. Und im Sport gibt es bekanntlich ein erstrebenswertes Ziel – den Sieg. Die Freude am Spiel ist dann leider nur noch nebensächlich. Das ist nicht nur schade, sondern schadet auch den Kindern, die den Überehrgeiz ihrer Eltern bestimmt alles andere als lustig finden.

Manchmal ist das Spiel unkoordiniert, der Ball hat seine eigene Dynamik und landet nicht immer dort, wo er hin sollte. Warum auch? Die Kinder sind erst acht Jahre alt und lange noch keine Profis. Ob einer von ihnen jemals Karriere im Fussball machen wird, steht noch irgendwo in den Sternen geschrieben. Also, liebe Eltern, kriegt euch wieder ein.

Vermutlich ist das der Grund, weshalb sich die liebenden Eltern am Spielfeldrand in undisziplinierte Brüllaffen verwandeln. Es scheint, als herrsche bei vielen Eltern der emotionale Ausnahmezustand. Sie sind dann ausser Rand und Band. Ein Verhalten, das völlig destruktiv ist und rein gar nichts bringt.

Viele vergessen, dass der Mann (ich weiss, es gibt auch Frauen), der sich auf dem Platz und bei der Mannschaft befindet und in der Regel einen Trainingsanzug trägt, eine nicht zu unterschätzende Funktion hat…nämlich die des Trainers. Trainer, die diesen Job in der Regel ehrenamtlich machen. Das heisst, er ist dafür zuständig, die Kids zu trainieren und das Spiel zu koordinieren. Falls, und nur falls, überhaupt jemand brüllen muss, dann bitte nur er. Aber auch das sollte meiner Meinung bei Kindern tunlichst vermieden werden. Denn auch die Trainer loben zu wenig. In der Regel hagelt es auch von dieser Seite Kritik an der Taktik, und jeder Fehler wird gescholten.

Die Folgen

Nehmen wir Klein-Fritz als Beispiel. Engagiert jagt er dem Ball hinterher, verliert ihn jedoch auf halbem Weg zum Tor an einen gegnerischen Spieler. Jetzt kommt Papa-Fritz so richtig in Fahrt und brüllt seinem Sohn zu, dass er sich den Ball wieder zurückholen soll, aber sofort. Vorwärts, hopp, hopp. Klein-Fritz schaut konsterniert. Da war doch was?

Im richtigen Leben darf man dem anderen doch nichts wegnehmen. Josef Kelnberger, selbst ein fussballverrückter Vater und Sportreporter hat das in seinem Buch „Mein Sohn, der Fussball und ich“ wie folgt beschrieben: „Bei den Kleinen, die ihr Schäuflein im Sandkasten mit allen Mitteln verteidigen, ist es so, dass Väter und Mütter grösste Anstrengungen unternehmen, diesen kleinen Terroristen Altruismus bei zubringen. Lass dem kleinen Philipp doch mal dein Schäuflein, sagt man auf dem Spielplatz. Jetzt nimm dem kleinen Philipp doch endlich mal den Ball weg, sagt man auf dem Fussballplatz“.

Diese Tatsache verwirrt, liebe fussballverrückte Eltern. Das ist doch offensichtlich.

Und so verwundert es nicht, dass sich die Miene von Klein-Fritz verdüstert, denn Papa ist nicht zufrieden. Adieu Freude, hallo Frust. Schliesslich soll Papa vor Stolz ganz aus dem Häuschen sein. Von nun an gilt seine volle Aufmerksamkeit dem Vater und nicht mehr dem Spiel. Das macht die Situation nicht besser, ganz im Gegenteil. Immer wieder sucht er den Blickkontakt und hofft darauf, ein wohlwollendes Nicken zu entdecken. Dieser ist jetzt aber ganz in seinem Element und kann sich mit lautstarker Kritik und negativen Kommentaren zum Spielverlauf nicht mehr zurückhalten.

Wir alle sind Fussballexperten

Selbst mir erging es schon so, dass ich dachte, ich wäre der bessere Trainer. Vor der Glotze, auf der Tribüne und am Spielfeldrand werden viele Menschen zu Fussball-Experten. Auch diejenigen, welche von Fussball und den Regeln null Ahnung haben. Ich halte mich mit Kritik jedoch zurück. Das ist, ich gebe es gerne zu, nicht immer einfach. Aber bei Kindern in diesem Alter bringt Kritik rein gar nichts, ausser dass ich meinem Sohn die Lust und den Spass am Spiel verderbe. Und mir gleich mit.

Ihr wollt für eure Kinder das Beste? Kann ich sehr sehr gut nach verstehen, da ergeht es mir nicht anders. In diesem Falle solltet ihr euch, liebe wahnsinnige und fussballverrrückte Eltern, aber fragen, ob euer Bestes auch das Beste für euer Kind ist.

Wenn es euch mal wieder juckt und ihr innerlich fast durchdreht: ein paar Mal tief ein- und ausatmen kann helfen, die Nerven wieder zu beruhigen. Und…auf jeden Fall Klappe halten. Den Kindern zuliebe.

Zweifelsohne ist Fussball ein sehr emotionsgeladener Sport. Geduldet euch noch ein bisschen. Bald kommt die EM und da könnt ihr euch dann verbal so richtig austoben. Brüllen, toben kritisieren und die Hände verwerfen. Leidenschaft und Dramatik pur.

Bildquelle: http://www.pixabay.com

 

 

 

Verfasst von

Ich stehe mitten im Leben und schreibe darüber. Über das Leben mit all seinen Facetten. Mal bunt, mal düster, mal witzig, mal ernst. So, wie das Leben eben ist. Immer in Bewegung. Sowohl privat (Mutter von drei Kindern 9, 10 & 12 Jahre alt) als auch beruflich interessiere ich mich für Psychologie - ich bin diplomierte Einzel-, Paar- und Familienberaterin. Schreiben ist nicht einfach ein Hobby - es ist Leidenschaft.

2 Kommentare zu „Fussball – Eltern ausser Rand und Band

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