Worte des Grauens – Der Kater

Ein weiterer Beitrag aus der Reihe „Worte des Grauens“.

Ich bin ein Fan von „man soll die Feste feiern, wie sie fallen“. Auf die darauf unweigerlich folgenden Konsequenzen könnte ich allerdings locker verzichten. Sprüche wie „wer feiert, kann auch arbeiten“ sind in solchen Augenblicken wenig hilfreich, auch wenn sie im Kern durchaus der Wahrheit entsprechen.

Eine ausgetrocknete Kehle, Zunge mit Belag, ein schaler Geschmack im Mund, übel riechender Atem und ein Kopf, der sich anfühlt, als ob jemand den Schädel von Innen mit einem Presslufthammer bearbeiten würde. Geräusch- und Lichtempfindlichkeit gepaart mit einem rebellierenden Magen – eine fatal unangenehme Situation. Der Kater ist ein Arschloch. Eines der übelsten Sorte. Wobei hingegen mein Kater Yoshi ein richtiger Schnüggel ist. Aber das sei hier nur am Rande erwähnt.

Meine erste Begegnung der unheimlichen Art

Als 16-jährige habe ich im wunderschönen Oberengadin zum ersten Mal seine Bekanntschaft gemacht. Wir waren eine Gruppe von ungefähr sechs Teenagern, die zum ersten Mal Alkohol konsumierten. Auf dem Heustock in einer Scheune haben wir wild und hemmungslos durcheinander getrunken, was wir uns damals mit unserem bescheidenen Taschengeld leisten konnten: Bacardi, Blue Curacao, Grüne Banane und Batida de Coco, bis wir irgendwann total volltrunken vom Heustock auf die (Gott sei Dank) weichen Heuballen runtergepurzelt sind. Ich weiss es noch, wie wenn es gestern gewesen wäre. Selbst der blosse Gedanken daran, verursacht Übelkeit. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich in meinem damals jungen Leben noch nie so hundeelend gefühlt. Und ich habe mir hoch und heilig geschworen, niemals wieder, keinen noch so winzig kleinen Tropfen Alkohol zu trinken. Tja, der Schwur war für’n Arsch. Und all die anderen auch, die im Laufe meines bisherigen Lebens noch folgten.

In jungen Jahren steckt man einen Kater noch einigermassen gut weg. Kopfschmerztablette schlucken und gut war’s. Heute dauert der Prozess der Regeneration deutlich länger. Im Minimum hält sich dieser Zustand zwei Tage. Zwei Tage bis die Schwellung der Tränensäcke und Augenlider abgeklungen ist und die Wogen Falten sich wieder geglättet haben. Bis dahin ist die Sonnenbrille meine allerliebste Freundin.

Das Sprichwort sagt: Älter, aber kein bisschen weise. So langsam eröffnet sich mir der sprichwörtliche Sinn dahinter.

Was noch nicht ist, kann ja noch werden, oder?

Hier geht’s übrigens zu Worte des Grauens I – Die Zornesfalte

Verfasst von

Ich stehe mitten im Leben und schreibe darüber. Über das Leben mit all seinen Facetten. Mal bunt, mal düster, mal witzig, mal ernst. So, wie das Leben eben ist. Immer in Bewegung. Sowohl privat (Mutter von drei Kindern 9, 10 & 12 Jahre alt) als auch beruflich interessiere ich mich für Psychologie - ich bin diplomierte Einzel-, Paar- und Familienberaterin. Schreiben ist nicht einfach ein Hobby - es ist Leidenschaft.

2 Kommentare zu „Worte des Grauens – Der Kater

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