Der verwirrte Mann…

oder wann ist ein Mann ein Mann?

Diese Zeile aus Herbert Grönemeyers Song „Männer“ macht deutlich, wie schwer es ist, den Mann in seiner Rolle und in seinem Wesen zu definieren. Das Lied ist zwar schon 32 Jahre alt, doch die Thematik ist heute aktueller denn je.

Der Mann von Heute ist zunehmend verwirrt und orientierungslos

Zu Beginn der Menschheit war alles noch ganz einfach: Die Männer waren Jäger, die Frauen Sammlerinnen. So weit, so gut. Die Rollen waren klar definiert.

In der Renaissance (15./16 Jahrhundert) entwickelte sich ein neues Männerbild. Gefühle und eine gewisse Sanftheit waren nicht mehr so verpönt.

In der Phase der Aufklärung (ca. 1650 – 1800) formte sich dann ein Bild, das bis heute mehr oder weniger Bestand hat: Der Mann als eine starke, von Vernunft geprägte Persönlichkeit.

Sowohl der erste als auch der zweite Weltkrieg hatten einen starken Einfluss auf das männliche Rollenverständnis. Die Männer zogen in den Krieg und schlugen ihre Schlachten. Kämpfe auf Leben und Tod. Siegen oder untergehen. Doch zu welchem Preis?

Durch die Kriege waren viele Frauen gezwungen, ihre gefallenen Männer zu ersetzen. Nach und nach fanden sie zurück in den Alltag – zurück zum traditionellen Frauen- und Mutterbild. Im Unterschied zu früher gesellte sie jedoch ein neues Bewusstsein hinzu…sie wussten, dass sie zu weitaus mehr fähig sind.

Trotzdem blieb das traditionelle Rollenbild in den Köpfen verankert. Der Mann galt als Ernährer der Familie. Er verliess morgens das Haus und kehrte nach getaner Arbeit ins traute Heim zurück. Vorher ein Kriegsheld, jetzt ein Held der Arbeit. Die Frau stand am heimischen Herd und hat sich hingebungsvoll um den Haushalt und den Nachwuchs gekümmert. Bis weit in die 60er-Jahre blieb der Mann unangefochtenes Familienoberhaupt. Er war Alleinverdiener und besass die volle Entscheidungsgewalt.

Allein, allein…zu allein?

Vermutlich ja, denn kurz darauf wurde eine neue Frauenspezies auf den Plan gerufen: die EmanzeAb diesem Zeitpunkt war für den Mann nichts mehr so, wie es war. Die Emanze mutierte schnell zum Albtraum der Männer. Machos waren verpönt, Softies auch. Kein Wunder waren die Männer verwirrt. Erst in den 80ern konnte Mann sich wieder etwas entspannen. Plötzlich war alles erlaubt. Geschäftsmann, Künstler, Freigeist, Macker, Softie und…Männer, die zu Hause blieben, sich um den Haushalt kümmerten und Windeln wechselten.

Das traditionelle Rollenbild wird immer mehr durcheinander gewirbelt. Traditionelles und Neues werden munter vermischt, bis Mann nicht mehr weiss, wo oben und unten ist.

Wann ist ein Mann ein Mann?

Fürsorglicher Ehemann, Ernährer oder leidenschaftlicher Liebhaber? Trainierter Waschbrettbauch oder schwabbelige Bierwampe? Frauenversteher, Gentleman oder Macho? Karrieretyp oder Hausmann? Pantoffelheld oder Alphamann? Oder gar alles zusammen?

Kein Wunder, herrscht unter dem sogenannten starken Geschlecht Verwirrung und Orientierungslosigkeit.

Liebe Männer, ein kleiner Trost. Uns Frauen geht’s nicht anders. Wir müssen in jeder Lebenslage attraktiv, jung und sexy sein. Das ist auch nicht ganz ohne, das könnt ihr uns ruhig glauben.

Dieser Artikel von mir erschien am 29. Januar 2016 auf dem Blog lifestylegossip.ch 

 

 

 

 

Verfasst von

Ich stehe mitten im Leben und schreibe darüber. Über das Leben mit all seinen Facetten. Mal bunt, mal düster, mal witzig, mal ernst. So, wie das Leben eben ist. Immer in Bewegung. Sowohl privat (Mutter von drei Kindern 9, 10 & 12 Jahre alt) als auch beruflich interessiere ich mich für Psychologie - ich bin diplomierte Einzel-, Paar- und Familienberaterin. Schreiben ist nicht einfach ein Hobby - es ist Leidenschaft.

5 Kommentare zu „Der verwirrte Mann…

  1. Ist Dein Artikel dann nicht schon ein Widerspruch in sich? Zu analysieren, warum die Männer heute anders sind, setzt ja voraus, dass Du ein klares Rollenverständnis hast. Wann ist denn Deiner Meinung nach „ein Mann ein Mann“?

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  2. Ich habe tatsächlich ein klares Rollenverständnis, das siehst du absolut richtig. Im Artikel geht es aber nicht darum, wie ich einen Mann definiere, sondern wie das Rollenbild sich im Laufe der Geschichte gewandelt hat und wie die Gesellschaft, vor allem die Männer, auf diese Veränderungen reagieren. Liebe Grüsse, Franziska

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  3. Wahrscheinlich alles zusammen. Dazu noch mal kurz zurück zu den Jägern und Sammlern, Franziska: Die Rollen mögen definiert gewesen sein, aber weit weniger arbeitsteilig, als auch ich immer gedacht habe. Inzwischen glaube ich eher, niemals war das Rollenbild ganzheitlicher als damals. Auf die Jagd gehen, ein paar Stunden oder auch ein paar Tage. Wenn man verwundet zurückkommt, sich pflegen lassen. Wenn man erfolgreich und entspannt zurückkommt, den Kinder zeigen, wie man Waffen baut und Fallen stellt. Und die Moral von der Geschichte: Wenn sie nicht gestorben sind, dann waren sie da, als Männer und als Väter. (Und wenn sie sehr lange nicht gestorben sind, sondern tatsächlich alt geworden, dann haben sie später auch wieder gesammelt. So wie sie als kleine Jungs angefangen haben. Waren sie also nur von fünfzehn bis fünfundzwanzig Mann? Oder ihr ganzes Leben lang?)

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  4. Das tönt in meinen Ohren so herrlich entspannt. Bisschen jagen, bisschen sammeln. Mann sein, Vater sein. Die Sinn- und Identitätssuche der heutigen Zeit ist doch in Wahrheit nichts anderes als ein Luxusproblem, oder?

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