Die Macht der Versuchung und was man dagegen tun kann

Das neue Jahr ist schon in vollem Gange. Habt ihr euch für 2016 etwas vorgenommen?Zum Beispiel mehr Sport zu treiben und weniger Ungesundes zu essen? Oder sich das Rauchen abzugewöhnen? Oder die Affäre zu beenden, die auf lange Zeit gesehen sowieso nur unglücklich macht?

Dann wisst ihr bestimmt, wie schwierig es sein kann, solche guten Vorsätze durchzuhalten. Schliesslich hat der Mensch Augen im Kopf und wo er auch hingeht, lockt die Versuchung. Ich finde das so was von unglaublich anstrengend.

Wir sitzen arbeitend am Computer und wollen eigentlich lieber lesen oder relaxen. Wir haben schon genug Koffein zu uns genommen, doch der liebliche Kaffeeduft aus der Küche ist einfach zu verführerisch? Und Schuhe können plötzlich wie von Zauberhand sprechen und rufen förmlich danach, dieses triste Schaufenster verlassen zu wollen. Zu dieser Kategorie gehöre ich. Mir fällt es unheimlich schwer, solchen Versuchungen zu widerstehen.

Aber es gibt auch Menschen, für die solche Vorhaben leicht umzusetzen sind. Selbstkontrolle bringt diese Menschen dazu, den Verlockungen zu widerstehen und ihren eingeschlagenen Weg konsequent fortzusetzen.

Warum gelingt es den einen, das Vorgenommene umzusetzen, wohingegen die anderen immer wieder an ihren Vorsätzen scheitern?

Ende der 60er Jahre hat eine Studie zutage gebracht, dass Selbstkontrolle und Selbstdisziplin bereits im Kindesalter dazu führen, dass Kinder, die über diese Eigenschaften verfügen, bessere Noten und höhere Abschlüsse erzielen, als Kinder ohne diese Eigenschaften.

Schon als Kind hatte ich die stark ausgeprägte Tendenz mein Taschengeld sofort in Süssigkeiten umzuwandeln. Oder in investierte mein Sackgeld in andere Dinge, die mir gefielen wie Comichefte oder allerlei unnötigen Mädchenkrimskram.

Heute schaffe ich es doch ab und zu, einer Versuchung zu widerstehen. Leider gelingt es mir nicht immer und einfach ist es schon gar nicht.

Ich habe schon einige, bisher leider erfolglose, Rauchstoppversuche hinter mir. Das Schlimmste dabei ist das ständige Gedankenkreisen – Gedanken, die immer gleich enden – mit dem unbändigen Wunsch, eine Zigarette zu rauchen. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden.

Reicht Selbstkontrolle allein aus, um sein Vorhaben in die Tat umzusetzen? Neben Selbstkontrolle spielen noch andere Faktoren eine wichtige und unterstützende Rolle:

Der Einfachheit halber bleibe ich bei dem Beispiel mit den Zigaretten. Nein, ich nehme lieber das Red-Bull-Beispiel, weil es mir mit diesen Tipps gelungen ist, meinen Konsum enorm einzuschränken. Das Ganze wäre ja sonst eine Geschichte, die man nicht wirklich ernst nehmen könnte.

  • Habe ich Red Bull im Haus, ist es lediglich eine Frage der Zeit, bis ich der Lust nachgebe. Es ist also eine logische Konsequenz, dass man das Objekt der Begierde aus seinem Dunstkreis verbannen muss. Kein Red Bull, keine Flügel, oder so ähnlich
  • Ablenkung ist ebenfalls ein hilfreiches Mittel. Schreiben, lesen, tanzen, singen. Unser Gehirn kann sich nämlich nicht auf hundert Dinge gleichzeitig konzentrieren.
  • Die Bilder auf der Zigarettenschachtel zielen genau dahin – sie wollen dem Raucher zeigen, welche unangenehmen Folgen der Konsum für einen Raucher haben kann. Bilder auch der Zigarettenpackung reichen aber nicht, um den gewünschten Effekt zu erreichen – es braucht zudem die Macht der eigenen Gedanken. Man muss das Objekt der Begierde mit etwas Unangenehmen in Verbindung bringen. Ausschlaggebend war die Meldung, dass im Red Bull angeblich Tierhoden drin stecken. Das ist natürlich Quatsch. Und trotzdem habe ich mir das dann so vorgestellt. Die Vorstellung, dass es so sein KÖNNTE, fand ich absolut widerlich.
  • Um dem Jo-Jo-Effekt entgegen zu wirken ist es wenig sinnvoll, die Lust bis zum geht nicht mehr zu unterdrücken. Es macht daher Sinn, sich eine bessere oder wie in meinem Fall eine gesündere Alternative zu suchen, damit einem die Lust nicht übermannt. In meinem Fall ist es Rivella Blau, ein Schweizer Erfrischungsgetränk mit wenig Kalorien.
  • Distanz schaffen. Auch hier wird unser Gehirn wieder gefordert. Anstatt daran zu denken, dass man das Objekt der Begierde sofort haben will, muss man lernen, dieses Verlangen im Kopf anders formulieren. Beispielsweise so: Ich spüre Lust auf ein Red Bull. Dieser kleine, aber feine Unterschied führt dazu, dass man nicht mehr zum Opfer seiner Gelüste wird, sondern zum Beobachter derselben. Die Umwandlung unserer Gedanken schafft so die benötigte Distanz.

Wie viele Vorsätze habt ihr ? Bist du jemand, der eine Sache durchzieht oder neigst du dazu, frühzeitig aufzugeben? Auf eure Kommentare und Erfahrungen freue ich mich sehr.

 

Quelle: PSYCHOLOGIE HEUTE Januar 2016

 

 

Verfasst von

Ich stehe mitten im Leben und schreibe darüber. Über das Leben mit all seinen Facetten. Mal bunt, mal düster, mal witzig, mal ernst. So, wie das Leben eben ist. Immer in Bewegung. Sowohl privat (Mutter von drei Kindern 9, 10 & 12 Jahre alt) als auch beruflich interessiere ich mich für Psychologie - ich bin diplomierte Einzel-, Paar- und Familienberaterin. Schreiben ist nicht einfach ein Hobby - es ist Leidenschaft.

6 Kommentare zu „Die Macht der Versuchung und was man dagegen tun kann

  1. Mein Vorsatz ist, weniger Plastikzeug zu kaufen und wo es geht auf andere Materialien auszuweichen.
    Das hat schon ein paar mal geklappt. Aber ich bin eigentlich eh kein Spontan-Käufer von Schnickschnack, sondern überlege mir vorher, ob wir das wirklich brauchen.
    Bei Zeug für die Kinder werde ich allerdings öfter mal schwach. Bastelkram, schöne Stifte und so… Aaaargh, ganz üble Fallen 😁

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  2. Liebes, Du weisst ja, meine Vorsätze für 2016: kein Kaffee mehr. Ich bin jetzt bei Woche 4. Ein weiterer Vorsatz ist, wieder rennen zu können, trotz MS (du weisst…). Jeden Tag (ausser Di und Fr) wird 10 Minuten gerannt, auf dem Laufband, auch am Wochenende. Auch damit bin ich bei Woche 4. Ja, Selbstkontrolle hilft. Aber weisst Du was noch viel mehr hilft? Familie und Freunde, die einen bestärken! D.h. mir hilft das. Und die eigene Bestätigung. Das Sich-wohler-fühlen. Wow! Adrenalin pur! Also, los, Vorhaben umsetzen, das geht. Wir sind zu mehr fähig, als wir denken. Einfach dem kleinen Teufel auf der linken Schulter die kalte Schulter zeigen. Dann friert er und verschwindet in seiner wohligen Hölle. Und damit ist der innere Schweinehund überwunden. Und die Vorsätze werden zu Gewohnheiten. Und Gewohnheiten legt man nicht so schnell wieder ab… Eben. Kuss, Caro 😉

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  3. Vorsätze einhalten – jedes Jahr aufs neue eine Herausforderung. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es klappt wenn ich mir nichts verbiete, sonder was erlaube.

    Beispiel:
    Statt: Ich will weniger Süsskram essen. –> Ich esse mein Lieblingsobst (Mango) als Süsskram – Ersatz.

    Sonnige Grüße
    Jana

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  4. Liebe Caro. Du gehörst für mich zu denen, die ich für ihre Selbstdisziplin sehr bewundere. Ja, wir alle haben diesen kleinen Teufel, bei mir brüllt er einfach so verdammt laut, dass ich ihn oft nicht ignorieren kann 🙂

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