Mut ist…sich seinen Ängsten zu stellen

Viele Menschen haben vor etwas Angst…zum Beispiel vor Spinnen oder Schlangen. Oder vor dem Fliegen. Manche Menschen fürchten sich vor engen Räumen oder grossen Menschenmassen. Sie haben regelmässig Panikattacken und die Angst beherrscht ihr ganzes Leben. Angst vermag es, Menschen handlungsunfähig zu machen. Die Angst zwingt sie zum Rückzug, drängt sie in die Isolation. Bis am Ende die Angst vor der Angst die ganze Gedankenwelt beherrscht. Niemand begibt sich freiwillig in eine solche Situation. Man möchte keine Angst haben, man will es auch nicht aushalten. Menschen, die solche Panikattacken immer und immer wieder durchleben, unterliegen einem permanenten Dauerstress.

Auch ich habe einige Ängste, Gott sei Dank jedoch keine solchen, wie oben beschrieben. Elefanten zum Beispiel. Oder Geschwindigkeit. Dahinter steckt ein Bedürfnis. Ein Bedürfnis, das in dem Moment, wo die Angst von mir Besitz ergreift, arg gefährdet scheint. Bei mir ist es das ausgeprägte Bedürfnis nach Sicherheit. Sicherheit und Kontrolle. Ich will Herr der Lage sein, in die ich mich begebe. Es gibt Ängste, die durchaus berechtigt sind. Ganz oft ist Angst jedoch ein Gefühl, das jeder Logik widerspricht. Angst kann einem wie aus dem Nichts umklammern und gänzlich lähmen. Angst äussert sich in körperlichen Symptomen – Adrenalin, Schweiss, Herzrasen, Enge auf der Brust, Atemnot.

Ich bin in der komfortablen Lage, dass meine Ängste mein Leben nicht beherrschen. Meine Erfahrung hat mich nämlich gelehrt, dass ich mich gut fühle, wenn ich meine Angst überwinde. Und auf dieses Gefühl freue ich mich. Dieses positive Gefühl trainiere ich nämlich regelmässig, denn Erfolg entsteht zuerst im Kopf. Es ist nicht mein Ziel, keine Ängste mehr zu haben, es geht vielmehr darum, das tun zu können, was mir wichtig ist. Wie beispielsweise mit meinem Sohn die Dunkel-Achterbahn im Europapark in Rust zu fahren…

Die 45 Meter hohe silberne Kuppel umgibt mich, hat mich verschluckt. Es gibt kein Entkommen mehr. Gespenstisch. Futuristisch. Mein Herz rast, der Puls ist erhöht. Kleine Schweissperlen bilden sich auf meinen Fingerkuppen. Keine Vorfreude, nur nackte Angst.

Bumm bumm, bumm bumm, bumm bumm – ich spüre meinen Herzschlag bis zum Hals.

Bald ist es soweit und ich muss in den Wagen einsteigen. Meine Nerven liegen blank. Eine Fahrt ins Ungewisse. Im Dunkeln. Mein Sohn sitzt neben mir und wir schauen uns in die Augen. Ein letztes Mal, so scheint es mir in diesem Moment. Er greift nach meiner Hand und lässt sie nicht mehr los. Lehnt seinen Kopf an meine Schulter. „Schön, dass wir uns kennengelernt haben, Mama.“ Er lacht, seine Augen leuchten. „Ein Scherz, Mama.“ Mir ist nicht nach Scherzen zumute. Überhaupt nicht. Ich lächle ein verkrampftes Lächeln zurück.

Ich werde nicht sterben, das weiss ich genau. Aber genau das befürchte ich in diesem Augenblick. Der Bügel könnte sich während der Fahrt lösen, die Bremsen könnten versagen, der Zug könnte entgleisen. Mögliche Horrorszenarien.

Meine Angst ist übermächtig. Wir setzen uns in Bewegung. Beinahe quälend langsam schlängelt sich der Zug mit den acht Wagen spiralförmig nach oben Richtung Kuppeldach. Es ist dunkel. Ich spüre, wie es aufwärts geht. Beinahe gemächlich. Doch ich weiss, das Unvermeidbare wird kommen und meine Anspannung wächst ins Unermessliche.

Ich sehe plötzlich Licht – zuckende Lichtblitze, Laserstrahlen. Es ist jedoch nicht wie das Licht am Ende eines Tunnels. Es ist erst der Anfang. Und wir fallen. Steil und rasend schnell. Ich schliesse meine Augen und kreische drauf los. Es weiss ja sowieso niemand, dass ich das bin. Eine Kurve jagt die Nächste. Ich werde so richtig durchgeschüttelt. Ich traue mich sogar, die Augen zu öffnen. Und WOW, ich bin nicht mehr einfach in einer Kuppel aus Dunkelheit sondern im Universum mit Sateliten und Planeten und gigantisch schönen grünen, blauen und weissen Lichteffekten. Das Ganze erinnert mich an ein Science-Fiction Märchen. Ich entspanne mich. Und die letzten Kurven geniesse ich sogar richtig. Und dann endet es abrupt. Drei Minuten und 20 Sekunden dauert der ganze Spass auf der Eurosat Dunkel-Achterbahn. Ich sehe das Strahlen im Gesicht meines Sohnes. Es hat sich ganz klar gelohnt.

Ich nehme gleich noch eine zweite Runde in Angriff. Mit meiner Tochter, die sich beim ersten Mal nicht getraut hat, mitzufahren. Ich kann in etwa nachvollziehen, wie sie sich fühlt. Ich spreche ihr Mut zu, beruhige sie, halte ihre Hand und sage ihr, dass sie, wenn möglich, die Augen offen lassen soll und dass ihr nichts passieren kann. Am Ende der Fahrt ist sie total begeistert. Und ein weiteres positives Erlebnis ist in meinem Gehirn abgespeichert.

Es ist nicht so, dass ich bei der zweiten Fahrt angstfrei war, aber ich wusste, dass es sich lohnen wird, wenn ich mich der Angst MUTIG entgegen stelle.

Welche Ängste plagen euch? Hat die Angst euch im Griff oder ist es umgekehrt? Was tut ihr, um gegen eure Ängste anzugehen?

 

 

 

 

 

 

 

 

Verfasst von

Ich stehe mitten im Leben und schreibe darüber. Über das Leben mit all seinen Facetten. Mal bunt, mal düster, mal witzig, mal ernst. So, wie das Leben eben ist. Immer in Bewegung. Sowohl privat (Mutter von drei Kindern 9, 10 & 12 Jahre alt) als auch beruflich interessiere ich mich für Psychologie - ich bin diplomierte Einzel-, Paar- und Familienberaterin. Schreiben ist nicht einfach ein Hobby - es ist Leidenschaft.

3 Kommentare zu „Mut ist…sich seinen Ängsten zu stellen

  1. Ich leide auch unter schlimmer Höhenangst und bin auf einem Turm einmal fast umgekippt, so sehr hat mein Herz gepocht vor Panik. Danach ging ich nirgends mehr hoch, es geht einfach nicht.
    In der Dunkelachterbahn in Rust war ich allerdings auch schon. Genau wie du versuche ich dagegen anzukämpfen und ich dachte damals: Es ist ja dunkel. Siehste nix, haste keine Angst. Und genauso wars! Ich fands toll und bin heute noch stolz, dass ich mich mit meinen Kindern da rein wagte. Ist aber schon ewig her. Und weitere Mutproben … naja. Höchstens mal eine Seilbahn, wenns gar nicht anders geht. Aber nach Möglichkeit kraxel ich einen Berg hoch. Und wieder unter.

    „Mache das, wovor du am meisten Angst hast, und du verlierst sie.“
    (Mark Twain)

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