Fifty Shades of Bullshit oder doch nicht?

Es ist mir ein Rätsel, warum es fürs Erzählen der Liebesstory zwischen Anastasia und Mr. Grey ganze drei!!! Bücher braucht. Drei Bücher!!! Der literarische Wahnsinn. Ich finde es schleierhaft, warum diese Trilogie so dermassen erfolgreich ist, und doch sprechen zig Millionen verkaufter Exemplare eine andere Sprache.

So von wegen weltoffen und wegen des Films habe ich mir die Lektüre nun auch endlich zu Gemüte geführt. Im Ernst, das erste Buch liesst sich ja noch einigermassen flüssig, aber schon nach Seite 30 (oder so) merkt man, das es im Grunde langweilig ist. „Hart ficken“ ist so etwa das Schmutzigste, das darin vorkommt. Wobei es geht ja nicht um Sex, sondern um Erotik. Angeblich.

Obwohl es in der Geschichte vermeintlich vorwiegend um sadomasochistische Praktiken geht, steht doch der Blümchensex stark im Fokus der beiden Protagonisten. Sie schauen sich ständig tief in die Augen, haben dann Sex, mal sanft, mal ein bisschen härter und finden kurz nacheinander IMMER die ERLÖSUNG. Spätestens nach der vierten Sexszene ist mir das Gesicht eingeschlafen. Ganz ehrlich.

Fazit: Da zieh’ ich mir also lieber einen Porno rein, als dass ich mir dann auch noch den Film zu Gemüte führe. Wobei dieser ja angeblich viel besser sein soll als die Bücher. Hat man mir gesagt. Ob’s stimmt? Ich wage es zu bezweifeln.

Analytisch betrachtet, entwickelt sich Mr. Grey im Laufe der Geschichte zu einem echten Langweiler und Spiesser (im Buch „Kontrollfreak“) und hätte er nicht zig Millionen Dollar und einen grossen Schwanz, wäre das Buch spätestens bei Seite 110 (oder so) fertig. Der Gute hatte zwar eine schwere Kindheit, aber selbst das gibt der Geschichte keine Würze. Leider.

Und ihr Spielzimmer würde ich gerne einmal in 10 oder 15 Jahren sehen. Da haben die Peitschen und Dildos und das ganze andere Zeug bestimmt eine ganze Menge Staub angesetzt. Die beiden sind nämlich schlicht und einfach in der Verliebtheitsphase. Und da ist es normalerweise an der Tagesordnung, dass man nur noch an den oder die Eine denkt und immer und überall Sex haben möchte. So habe ich das zumindest in Erinnerung. Und in Teil drei der Trilogie geht Anastasia ja dann auch mal alleine schlafen, ohne das der gute Gatte gleich über sie herfällt.

Andererseits zeigt die Liebesgeschichte zwischen Anastasia und Mr. Grey, dass (trotz Verliebtheit und tiefer Gefühle) eine Beziehung auf Kompromissen beruht und man stets daran arbeiten muss, um das gemeinsame Glück zu finden. Zwei Menschen treffen aufeinander und jeder bringt seine Geschichte mit, mit welcher der Partner manchmal hart konfrontiert wird. Im Buch erfährt dies Anastasia wortwörtlich am eigenen Leib.

Obwohl zu Beginn jeder Partnerschaft die körperliche Anziehung stark im Vordergrund steht, ist guter und leidenschaftlicher Sex kein Garant für eine intakte Beziehung. Meiner Meinung nach gehört jedoch zu einer Partnerschaft Sex dazu. Jedoch, und das ist ganz natürlich, verändert sich die Sexualität im Laufe der Partnerschaft. Nur einschlafen, das sollte die Lust nie.

Vielleicht bringt diese Liebesgeschichte jedoch den einen oder anderen dazu, wieder an ihre Anfänge der Beziehung zurück zu denken und wie es damals war, als man total verliebt war und bereits ein Blick des Gegenübers reichte, um die Sehnsucht nach mehr zu wecken und das Blut so richtig in Wallung zu bringen.

Das wäre dann aus meiner Sicht ein durchaus positiver Effekt. Und vielleicht eine Erklärung, warum die Trilogie so erfolgreich ist.

Also, Jungs und Mädels, Finger raus, oder ganz im Sinne der Geschichte, Finger rein…IMG_7365

Verfasst von

Ich stehe mitten im Leben und schreibe darüber. Über das Leben mit all seinen Facetten. Mal bunt, mal düster, mal witzig, mal ernst. So, wie das Leben eben ist. Immer in Bewegung. Sowohl privat (Mutter von drei Kindern 9, 10 & 12 Jahre alt) als auch beruflich interessiere ich mich für Psychologie - ich bin diplomierte Einzel-, Paar- und Familienberaterin. Schreiben ist nicht einfach ein Hobby - es ist Leidenschaft.

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