Paarbeziehung – zwischen Nähe und Distanz

In Paarbeziehungen ist es ganz oft ein Thema – Nähe und Distanz. Das richtige Mass zu finden, ist für Liebespaare häufig eine grosse Herausforderung und sorgt in vielen Fällen sogar für einen Konflikt, dessen Ende leider erst dann in Sicht ist, wenn auch die Beziehung geendet hat.

Viele Paare müssen, um das richtige Mass an Nähe und Distanz zu finden, Beziehungsarbeit leisten. Jeder Mensch bringt seine eigene Geschichte und Prägung in eine Beziehung mit, und meistens sind die Bedürfnisse nach Nähe, Distanz und Freiräumen nicht deckungsgleich mit denen des Partners.

Alles eine Frage der Hormone

Zu Beginn einer Beziehung steht das Wir-Gefühl an erster Stelle. Man möchte jede gemeinsame Minute mit dem Partner verbringen und mit ihm am liebsten zu einer Einheit verschmelzen. Für Frischverliebte ist der Partner sowohl das soziale als auch emotionale Zentrum ihres Lebens. Man schwebt auf Wolke sieben und die Schmetterlinge im Bauch lassen einem kaum Zeit, zur Ruhe zu kommen.Ist der Partner einmal nicht da, vermisst man ihn mit jeder Faser des Körpers und die Sehnsucht steigt ins Unermessliche.

Das ist wichtig und auch richtig – dafür sorgen unsere Hormone ausgiebig und zuverlässig. So entsteht eine Bindung, die sich im Laufe der Zeit in eine Partnerschaft wandeln kann.

Der Hormonschub, den man aber anfangs erlebt, flacht jedoch im Laufe der Zeit ab und jedes Paar, das sich dann dafür entscheidet, das weitere Leben gemeinsam zu meistern, landet eines schönen Tages im Beziehungsalltag. Das Ende der Ära der rosaroten Brille ist zum Greifen nah und unser Blick auf den Partner wird gleichwohl realistischer.

Das klingt jetzt erst mal sehr negativ, ist es aber nicht. Es ist schlicht und ergreifend normal und alltäglich.

Die Suche nach dem SOLL-Zustand von Nähe und Distanz

Für die Beziehungsgestaltung ist ein wesentlicher Faktor, wie Paare mit dem Wunsch nach Nähe und dem Wunsch nach Eigenständigkeit und Unabhängigkeit umgehen.

Für alle, die glauben, sie können das Nähe-Distanz Bedürfnis ihres Partners beeinflussen oder ändern, habe ich eine ganz schlechte Nachricht: Das wird nicht funktionieren. Allenfalls geht er oder sie einen faulen Kompromiss ein, um den Partner für kurze Zeit zufriedenzustellen. Dies sind jedoch keine guten Voraussetzungen für eine erfüllende Beziehung.

Was funktioniert?

Was jedoch funktioniert, ist das Arbeiten an seinen eigenen Wünschen und Bedürfnissen. Oft liegen unsere Verhaltens- und Glaubensmuster in der Kindheit verborgen. Ja, ich weiss, ich wiederhole mich. Aber es gibt Tatsachen, denen man ins Auge blicken muss, und das ist eine davon.

Es ist hilfreich zu erkennen, warum man zum Beispiel Angst vor Nähe hat – oder im umgekehrten Fall – warum man eine solche Sehnsucht nach Nähe verspürt, dass man seinen Partner damit beinahe zu ersticken droht.

Hinter jedem Gefühl verbirgt sich ein Bedürfnis. Wenn ich also ängstlich und klammernd bin, verbirgt sich dahinter vielleicht ein Bedürfnis nach Sicherheit und Stabilität. Ein Partner kann eher auf unsere Wünsche eingehen, wenn wir erklären können, welches Bedürfnis sich hinter unserem Verhalten verbirgt.

Eine Paarübung

In der Paarberatung gibt es zum Thema Nähe und Distanz einige hilfreiche Übungen. Eine meiner Lieblingsübungen ist das Zeichnen von zwei Kreisen, welche, und das ist ganz wichtig, den gewünschten SOLL-Zustand aufzeigen sollen.

Ein Kreis ist der Partner, der zweite Kreis ist man selbst. Die Kreise stehen für Unabhängigkeit, Eigenständigkeit und Freiräume. Das eigene Bedürfnis wird in der Schnittmenge zum Ausdruck gebracht. Die so zustande gekommene Schnittmenge zeigt das eigene Bedürfnis nach Nähe.

Der Partner führt diese Übung ebenfalls durch. Ein Paar kann das gemeinsam machen oder jeder für sich.

Diese Übung macht das Bedürfnis der Partner nach Nähe und Distanz sichtbar. Eine solche Sichtweise bietet die Chance, die Perspektive zu verändern.

Eine solche Zeichnung kann als Basis für ein konstruktives Gespräch sehr hilfreich sein. Ein Gespräch in dem das Paar vorwurfsfrei nach Lösungen suchen kann, um dem gemeinsamen Paar-Nähe-Distanz-Soll-Zustand näher zu kommen. Die Zeichnungen sollen einem auch daran erinnern, dass man die Bedürfnisse des Partners bei der Lösungsfindung nicht „wegdiskutieren“ soll.

Wird eine Lösung gefunden, kann dieser SOLL-Zustand bei Bedarf gemeinsam auf Papier festgehalten werden.

Bildquelle: http://www.pixabay.com

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verfasst von

Ich stehe mitten im Leben und schreibe darüber. Über das Leben mit all seinen Facetten. Mal bunt, mal düster, mal witzig, mal ernst. So, wie das Leben eben ist. Immer in Bewegung. Sowohl privat (Mutter von drei Kindern 9, 10 & 12 Jahre alt) als auch beruflich interessiere ich mich für Psychologie - ich bin diplomierte Einzel-, Paar- und Familienberaterin. Schreiben ist nicht einfach ein Hobby - es ist Leidenschaft.

Ein Kommentar zu „Paarbeziehung – zwischen Nähe und Distanz

  1. Gibt ja gerade einen Beitrag zu Männern und das Reden über Gefühle. Da passt ja der Ansatz hier. Das Problem mit dem Reden über Beziehungen ist wohl so ähnlich unterschiedlich zwischen den Geschlechtern, wie das Reden über Gefühle. Solange es richtig ist, müssen Männer nicht darüber reden und es ist eher befremdlich das tun zu sollen. Wenn es dann nicht mehr läuft, dann ist zwar Redebedarf, aber es ist oft zu spät.

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