Tattoos – Klischee oder Realität?

Dies ist ein Text über tätowierte Männer. Zumindest am Anfang. Es ist aber auch ein Text darüber, warum man Menschen nicht nach ihrem äusseren Erscheinungsbild beurteilen sollte.

Mir gefallen Männer mit Tattoos. Und Frauen auch. Deshalb finde ich es spannend, was eine Studie von polnischen Wissenschaftlern zutage gebracht hat. Obwohl ich glaube, dass diese Studie sehr viel mit Klischees zu tun hat, als mit der Wirklichkeit.

Die Studie hat folgendes ergeben: Tätowierte Männer wirken im Allgemeinen dominanter, maskuliner und aggressiver als Männer ohne Tattoos. Des Weiteren haben die heterosexuellen Männer, die an dieser Untersuchung teilnahmen, tätowierte Männer als attraktiver bewertet.

Dominant und maskulin – das kann ich gut nachvollziehen, da ich das sehr ähnlich empfinde.

Doch nur alleine der Tattoos wegen ist ein Mann noch lange nicht attraktiv oder männlich.

Attraktivität liegt doch sehr viel mehr an den Genen als an den Tattoos. Wobei ein attraktiver Mann mit schönen Tattoos mich durchaus zu begeistern vermag.

Und zur empfundenen Aggressivität: Sind das vielleicht nicht bloss Klischees oder Bilder im Kopf? Bilder von tätowierten und gewaltbereiten Gefängnisinsassen oder Gangmitgliedern?

Ein kleiner Einschub meinerseits…Vielleicht sollte ich damit aufhören, die Serie „Prison Break“ auf Netflix zu schauen. Dort spielt nämlich ein Tattoo eine sehr wichtige Rolle. Es ist nicht nur Körperschmuck, sondern überlebenswichtig. Von wegen Bilder im Kopf, und so.

Was mich jedoch sehr verwundert hat, ist die Wahrnehmung der Frauen: Sie nahmen die tätowierten Männer zwar als gesünder, aber nicht als attraktiver wahr. Und sie stuften sie als schlechtere potenzielle Partner und Väter ein.

Das löst in mir Verwunderung aus, denn ein Mann mit schönen Tattoos wirkt auf mich im Allgemeinen sexy und männlich. Obwohl Testosteron weit mehr mit „echter“ Männlichkeit zu tun hat, als irgendwelche Tattoos, dessen bin ich mir durchaus im Klaren.

Da mein Allerliebster ebenfalls einige Tätowierungen auf dem Körper hat, kann ich die Aussage mit den potentiell schlechteren Vätern und Partnern überhaupt nicht nachvollziehen.

Auch hier ist die Vorstellung vermutlich sehr klischeebehaftet, denn es gab eine kurze Zeit, da hatte ich neben meinen Tätowierungen auch zwei Piercings – eins in der Nase und eines unterhalb meiner Lippen. Und die Klischeefalle hat mich mit voller Breitseite erwischt.

Wenn ich dann mit meinen drei Kindern unterwegs war und eines davon geweint hat, was bei drei Kindern im Alter von drei, vier und sechs Jahren durchaus vorkommen kann und völlig natürlich ist, spürte ich rasch die kritischen Blicke auf mir.

So von wegen – tätowiert, gepierct und eine Bande voller Saugoofen, die der Mutter auf der Nase herumtanzen.

Ich habe die Piercings genau vier Monate getragen und dann entfernt. Mag sein, dass es vielen egal ist, was andere denken – mir nicht. Manchmal wäre das Leben vielleicht leichter, wenn es anders wäre und man so mir nichts, dir nichts aus seiner Haut schlüpfen könnte.

Was aber durchaus sehr interessant ist: Rückblickend war ich in dieser kurzen Zeit vielleicht sogar tatsächlich eine Mutter, die ihre Rasselbande, wenn wir unterwegs waren, nicht immer im Griff hatte. Denn unter solchen Umständen kann es durchaus passieren, dass gewisse soziale Mechanismen greifen:

Oft sind es nämlich Frauen, die sich durch negatives Verhalten von anderen beeinflussen lassen und es soweit kommen lassen, dass bei negativen Erwartungen schlechtere Leistungen die Folge sind.

Mag sein, dass ich mir das damals nur eingebildet habe, ich glaube aber nicht. Menschen neigen leider dazu, und ich kann mich davon nicht einmal ausschliessen, aufgrund äusserlicher Merkmale vorschnell ein Urteil über jemanden zu fällen. Und dies leider oft zu Unrecht.

Ich erwarte von den Menschen nicht, dass sie besser sind, als sie es sind, denn das führt über kurz oder lang zu enttäuschten Erwartungen. Aber man soll Menschen nicht nach ihrem Aussehen beurteilen. Wer Menschen nach ihrem Erscheinungsbild beurteilt, verpasst vielleicht die Chance, einen wunderbaren Schatz zu entdecken.

Quelle: PSYCHOLOGIE HEUTE, Seite 8, Themen & Trends, Februar 2017

Bildquelle: http://www.pixabay.com

 

 

Verfasst von

Ich stehe mitten im Leben und schreibe darüber. Über das Leben mit all seinen Facetten. Mal bunt, mal düster, mal witzig, mal ernst. So, wie das Leben eben ist. Immer in Bewegung. Sowohl privat (Mutter von drei Kindern 9, 10 & 12 Jahre alt) als auch beruflich interessiere ich mich für Psychologie - ich bin diplomierte Einzel-, Paar- und Familienberaterin. Schreiben ist nicht einfach ein Hobby - es ist Leidenschaft.

2 Kommentare zu „Tattoos – Klischee oder Realität?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s