Tatort Elternabend oder der ganz normale Wahnsinn

Die grösste Herausforderung für mich als Mutter ist es, allen meinen drei Kindern, unter Berücksichtigung ihrer Charaktereigenschaften, ihren Stärken und Schwächen, gerecht zu werden. Das fällt mir manchmal leicht und dann gibt es Momente, wo das ganz schön schwierig und anstrengend ist.

Tatort Elternabend. Ich sitze im Schulzimmer meines mittleren Sohnes. Bin eher etwas unmotiviert, schliesslich ist es schon der Dritte (und für dieses Jahr auch der letzte) Elternabend in Folge.

Elternabende sind für mich ein notwendiges Übel und es gilt die Devise, diese, möglichst unbeschadet und vor allem rasch, hinter sich zu bringen. Und zu hoffen, dass nicht allzu viele Fragen seitens der Eltern gestellt werden, die das Ganze unnötig in die Länge ziehen.

„Routine“, denke ich. Mit drei Kindern habe ich schliesslich schon so meine Erfahrungen. Aber siehe da – alles kommt anders. Es ist ein Elternabend, den ich so rasch nicht vergessen werde.Während sich der neue Lehrer vorstellt und uns Eltern erklärt, wie der Schulunterricht bei ihm abläuft, schwant mir schon einiges. Hausaufgaben gibt er nur wenig, weil er sie als Kind auch nicht gerne erledigt hat.

Finde ich gut und verstehe meinen Sohn, warum er seinen Lehrer so cool findet. Bereits am ersten Schultag erzählte er mir, dass sein neuer Lehrer nicht zu toppen sei.

Des Weiteren ist der neue Lehrer sehr für die Förderung von Selbstdisziplin, Selbstständigkeit und Eigenverantwortung. Gefällt mir. Gefällt mir sogar sehr gut.

Doch wie gut funktioniert dieses Konzept bei meinen Sohn? Schliesslich kenne ich meine Pappenheimer ziemlich gut. Das Ganze scheint mir für Mädchen sehr viel besser geeignet und umsetzbar. Ich melde meine Zweifel an. Wohlwollendes und verständnisvolles Nicken bei den einen (Bubeneltern), kritische und fragende Blicke bei den andern (Mädcheneltern).

Bin ich zu skeptisch? Zu klischeebehaftet? Traue ich meinem Sohn zu wenig zu? Wenn da bloss nicht schon gewisse Erfahrungen wären…

Dann kommt der Teil mit den Informationen, was und wie es in den letzten drei Wochen gelaufen ist:

– Die Postmappe…ähhhh, hab ich meinen Sohn mehrfach danach gefragt. „Weiss ich nicht“, war seine Antwort. Es gibt sie also, die Postmappe. Wusst ich’s doch. Ein Hoch auf die Erfahrungswerte.

– Und die Matheprüfung….Matheprüfung?! Aha, es gab also bereits eine Prüfung. Mir scheint, alle wissen darüber Bescheid, nur ich sitze da und schaue erstaunt in die Runde. Ich werde der Sache auf den Grund gehen. Drei Fragezeichen und so.

– Die Agenda. Es gibt eine Agenda. Quadratisch, praktisch, gut. Das Teil hab ich noch nicht zu Gesicht bekommen. Aber gut zu wissen, dass es eine gibt. Ich werde ein Foto knipsen und dann Zuhause mal nachfragen.

Bin ich wirklich im richtigen Klassenzimmer? Beim richtigen Lehrer?

Fragen über Fragen…die ich dem Lehrer beim persönlichen Händedruck zwecks Verabschiedung stelle. Bis sich hinter mir eine Schlange bildet. Es scheint, als sei ich nicht die einzige mit einem Mitteilungs- und Fragebedürfnis. Untypisch für mich, zumindest in einem Schulzimmer.

Mir kommt der kürzlich erschienene Blog im Schweizer Elternmagazin „Fritz und Fränzi“ in den Sinn. Sein Titel spricht Bände – „Bubenmütter nahe am Nervenzusammenbruch“.

Und ich ergänze:

Eine weitere Bubeneigenschaft ist das Zurückhalten von Informationen. Von wichtigen Informationen. Wohlweislich wichtig für mich als Mutter, aber nicht für sie. Hierbei geht es schliesslich nicht um Fussball, Action und um Heldentaten. Nur um den banalen Schulalltag.

Da bin ich mir von meiner Tochter anderes gewohnt. Da sprudeln die Informationen im wahrsten Sinn des Wortes nur so raus. Kein Nachfragen, kein nachhaken.

„Ein Mann ein Wort, eine Frau ein Wörterbuch.“  Klischee hin, Klischee her, die Tatsache lässt sich nicht ganz von der Hand weisen.

Selbstdisziplin, Selbstständigkeit und Eigenverantwortung. Mein Sohn ist gefordert. Und er wird sich dieser Herausforderung stellen (müssen).

Aber auch ich bin gefordert. Als Mensch, als Mutter. Und wie ich zu Beginn dieses Blog bereits geschrieben habe: Ich stelle mich der Herausforderung, auch wenn es nicht immer einfach ist.

Gemeinsam.

Fortsetzung folgt…

 

Bildquelle: http://www.pixabay.com

 

 

 

 

 

 

 

Verfasst von

Ich stehe mitten im Leben und schreibe darüber. Über das Leben mit all seinen Facetten. Mal bunt, mal düster, mal witzig, mal ernst. So, wie das Leben eben ist. Immer in Bewegung. Sowohl privat (Mutter von drei Kindern 9, 10 & 12 Jahre alt) als auch beruflich interessiere ich mich für Psychologie - ich bin diplomierte Einzel-, Paar- und Familienberaterin. Schreiben ist nicht einfach ein Hobby - es ist Leidenschaft.

3 Kommentare zu „Tatort Elternabend oder der ganz normale Wahnsinn

  1. Hm, ich hatte auch gerade Diskussionen mit meinem 14jährigen. Er geht ja nach dem Auslandsumzug auf eine englischsprachige Schule. Ich würde mich gerade gerne mehr bei ihm einmischen, da ich befürchte, dass er alles unter „Ich habe es ja sprachlich nicht richtig verstanden, also mach ich nix!“ verbucht. Aber er sagte: „Mama, es ist mein Schulkram und meine Hausaufgaben!“ Nun gut, ich bemühe mich, ihm und den Erfahrungen der Internationalen Schule zu vertrauen. Er hat ja eigentlich recht. Es ist seine Schule, seine Aufgaben… aber ich habe mit ihm in den bisherigen Schuljahren auch die „Bubenerfahrungen“ gemacht… Also sitze ich erst mal hier und versuche mich zu beruhigen, dass gerade mal drei Tage Schule noch nicht genug Erfahrungen liefern…

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  2. Ich oute mich – ich gehe nicht auf Elternabend. Diese Mischung der verschiedenen Elterntypen sind für mich schwer auszuhalten. Dazu die vielen Fragen – wovon die Hälfte keinen Nähwert für mich hat – schwierig. Der Papa geht da hin. Irgendwie kann er das besser aushalten und das Informationspuzzle — ja, auch bei uns fehlen da Teile. Sohnemann setzt andere Prioritäten bei der Informationsweitergabe. Definitiv ein spannender Bereich.

    Sonnige Grüße

    Gefällt 1 Person

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