Nein zum Fremdenhass im Internet – Ja zum Aufstand der Anständigen

Anja Reschke, Chefin des ARD-Politmagazins „Panorama“ ist eine mutige Frau. Für Ihren Kommentar in den Tagesthemen zum Thema Flüchtlinge verdient sie meinen allergrössten Respekt. Auch ich finde, dass es an der Zeit ist, nicht mehr einfach tatenlos zuzuschauen.

Diese Hasstiraden gegen Ausländer, gegen Fremde, aber auch gegen Menschen, die anders sind, nicht der Norm entsprechen, müssen ein Ende haben. Papier ist geduldig, Facebook und die globale Welt sind es sowieso. Ein riesiger Dschungel, in dem man sich austoben kann und meistens (zu oft) ungeschoren davon kommt. Oder wie Frau Reschke es so treffend nennt: Hasstiraden als gruppendynamischer Prozess. Die Gruppe vermittelt ein Gefühl von Stärke und Zugehörigkeit. In der Masse kann man sich verstecken und doch seinem Ärger ungefiltert und unreflektiert Luft machen. Endlich muss man seinen Hass nicht mehr runterschlucken. Solche Massenphänomene sind gefährlich und geraten rasch ausser Kontrolle.

Gut, dass dieses Video von Anja Reschke darauf aufmerksam macht. Doch damit ist es in meinen Augen längst nicht getan. Aber es ist ein Anfang.

Vielmehr muss man der Frage nach dem WARUM nachgehen. Warum haben so viele Menschen einen solchen Fremdenhass in ihrer Seele eingebrannt. Denn dieses Gefühl ist nicht einfach von einem Tag auf den anderen da. Gruppendynamik hin oder her. Hinter jedem Einzelnen steht eine Geschichte. Eigene Erfahrungen. Vermutlich keine guten…

Wut und Hass sind dunkle Gefühle. Dahinter liegen jedoch Bedürfnisse. Unerfüllte Bedürfnisse. Bedürfnisse nach Sicherheit, Wohlstand, Einigkeit und Zugehörigkeit. Ich weiss es nicht. Ich denke, dort muss man ansetzen. Denn Worte allein genügen da meiner Meinung nach nicht. Das Übel muss an der Wurzel gepackt werden. Im Kern. Denn sonst kann es übel enden. Und das gilt es tunlichst zu verhindern. Geschehnisse, die sich nicht wiederholen sollten.

Daher komme ich Anja Reschkes Aufforderung sehr gerne nach und hoffe, mit meinem Blog Post einen Beitrag dazu zu leisten, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen.

In diesem Sinne – ein Hoch auf die Anständigen. Ich bin dabei.

Hier der Kommentar von Anja Reschke. Zum Video geht’s hier

Klartext im tagesthemen Kommentar von Anja Reschke: (@tagesschau)

„Wenn ich mich jetzt hier hinstelle und öffentlich sage: Ich finde, Deutschland soll auch Wirtschaftsflüchtlinge aufnehmen – was glauben Sie, was dann passiert? Es ist nur eine Meinung, die darf man äußern. Schön wäre also, wenn darüber sachlich diskutiert würde. Aber so würde es nicht laufen. Ich bekäme eine Flut von Hasskommentaren. ‚Scheiß Kanacken, wie viel wollen wir noch aufnehmen, sollen abhauen, soll man anzünden …‘, all sowas halt. Wie üblich.

Bis vor kurzem haben sich solche Kommentatoren noch hinter Pseudonymen versteckt. Aber mittlerweile wird sowas längst unter Klarnamen veröffentlicht. Anscheinend ist das nicht mal mehr peinlich. Im Gegenteil, auf Sätze wie ‚Dreckspack, soll im Meer ersaufen‘ bekommen sie ja auch noch begeisterten Zuspruch und eine Menge Likes. Wenn man bis dahin ein kleiner rassistischer Niemand war, fühlt man sich da natürlich plötzlich ganz toll.

Jetzt kann man sagen: ‚Ja gut, Idioten gibt es immer – am besten ignorieren.‘ Aber es sind ja eben nicht nur Worte. Sondern es gibt sie ja schon – die Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte. Die Hasstiraden im Internet haben ja längst gruppendynamische Prozesse ausgelöst. Die Zahl der rechtsextremen Gewalttaten ist gestiegen.

So kann es nicht weitergehen. Nun ist die eine Möglichkeit Strafverfolgung – das wird auch zunehmend gemacht. Ein Facebook-Hetzer aus Bayern wurde gerade zu einer Geldstrafe wegen Volksverhetzung verurteilt. Das zeigt schon mal Wirkung.

Aber das alleine reicht nicht. Die Hassschreiber müssen kapieren, dass diese Gesellschaft das nicht toleriert. Wenn man also nicht der Meinung ist, dass alle Flüchtlinge Schmarotzer sind, die verjagt, verbrannt oder vergast werden sollten, dann sollte man das ganz deutlich kundtun.

Dagegen halten, Mund aufmachen. Haltung zeigen, öffentlich an den Pranger stellen: Einige sehr verdienstvolle Blogs tun das schon. Aber es sind noch zu wenige. Der letzte Aufstand der Anständigen ist 15 Jahre her. Ich glaube, es ist mal wieder Zeit. Und: Ich freue mich schon jetzt auf die Kommentare zu diesem Kommentar.“

Quelle: Panorama/Facebook

 

Verfasst von

Ich stehe mitten im Leben und schreibe darüber. Über das Leben mit all seinen Facetten. Mal bunt, mal düster, mal witzig, mal ernst. So, wie das Leben eben ist. Immer in Bewegung. Sowohl privat (Mutter von drei Kindern 9, 10 & 12 Jahre alt) als auch beruflich interessiere ich mich für Psychologie - ich bin diplomierte Einzel-, Paar- und Familienberaterin. Schreiben ist nicht einfach ein Hobby - es ist Leidenschaft.

5 Kommentare zu „Nein zum Fremdenhass im Internet – Ja zum Aufstand der Anständigen

  1. Anja Reschke ist mutig. Und sie hat getroffen. Denn auf einmal werden Stimmen laut, die „saubere journalistische und neutrale Redaktionsarbeit“ fordern. Stimmen, die Menschen wie Anja Reschke weg haben wollen vom Bildschirm. Stimmen, die zu Menschen gehören, die wir im täglichen Smalltalk ganz nett finden. Und innendrin ist etwas vergiftet, und ich weiss nicht was. Und vor allem nicht, warum.
    Ich entziehe mich nicht der Diskussion mit Menschen, die gegen Ausländer sind. Ich will auch wissen, warum sie so sind, warum sie so denken. Trotzdem habe ich meinen Standpunkt: Egal, wo die Menschen herkommen, wo eie hin gehen…
    Es sind Menschen. Und wir müssen denen eine Stimme geben, die in Deutschland, einem für sie fremden Land, keine Stimme haben.
    Ich habe letzte Woche ein „Interview“ gehört, in welchem ein vierjähriger Junge gefragt wird, ob in seinem Kindergarten viele ausländische Kinder seien.

    Seine Antwort: „Da sind nur Kinder“

    Gefällt 1 Person

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