Von Schönheitsidealen, Hängebusen, Falten, Dellen, Botox & Co

Wahre Schönheit kommt von Innen. Ja, einverstanden. Aber…hätte Eva im Paradies nach dem verbotenen Apfel gegriffen, wenn er angefault und schrumpelig gewesen wäre? Das ganze Elend hat doch da seine Anfänge genommen…

Viele Frauen schauen in den Spiegel und sind mit dem, was sie da sehen, nicht zufrieden. Der Blick in den Spiegel ist für viele sogar eine Qual. Die Nase zu gross, die Ohren zu abstehend, der Busen zu klein, der Busen zu gross, der Busen zu wenig straff, Falten und Fältchen, hängende Augenlider, Tränensäcke, Fettpölsterchen hier, ein Bauchansatz da. Die Liste scheint schier endlos. Auch Männern ergeht es so. Es sind weniger, aber die Tendenz ist wohl eher steigend.

Gestern hatte ich eine spannende Diskussion mit einer Freundin. Ausschlaggebend war das von mir auf Facebook gepostete Video über die US-Fotografin Jade Bell und ihr wunderschönes Werk über Mütter, die den Mut haben, ihren Körper nach der Geburt von Kindern der Öffentlichkeit zu zeigen. Diese Frauen entsprechen nicht dem gängigen Schönheitsideal und sie stehen zu ihren Dellen und Streifen. Die Bilder zeigen Frauen, die Liebe, Stolz und Schönheit ausstrahlen. Trotz ihrer Makel.

Das finde ich absolut bewundernswert und ich wünschte, ich könnte mir davon eine Scheibe abschneiden. Diese Frauen sind wunderschön. Auch wenn Sie nicht dem gängigen Schönheitsbild entsprechen. Oder noch nicht, wer weiss das schon.

Gerade jetzt beim Schreiben muss ich an meine Tochter denken. Sie ist jetzt am Anfang der Pubertät und kann noch nicht so differenziert unterscheiden, was das alles bedeutet. Selbst sie findet schlanke Menschen attraktiver als Dicke. Ein Gesicht ohne Akne schöner als ein Gesicht voller Pickel. Und das habe ich ihr so bestimmt nicht beigebracht. Dafür reicht alleine schon ein Blick auf die Mode- und Lifestylemagazine am Kiosk.

Es schadet der Gesellschaft bestimmt nicht, dass die Akzeptanz gegenüber Menschen, die nicht dem Schönheits- und Jugendwahn entsprechen, grösser wird. Und ich finde es unter jeder Sau, wenn Menschen dafür sogar beleidigt werden. Das geht gar nicht und ist in jeder Hinsicht eines Menschen unwürdig. Wenn die Bilder von Jade Bell dazu beitragen, dass Menschen, die nicht dem gängigen Schönheitsideal von schlank, faltenfrei und jugendlich entsprechen, sich ebenso selbstsicher präsentieren dürfen, dann ist damit in meinen Augen schon viel erreicht.

Es gibt viele attraktiven Menschen mit Falten und anderen Makeln, die eine absolut gigantische Ausstrahlung haben und sehr attraktiv sind. Diese Männer und Frauen sind schön. Ein Mensch muss nämlich nicht perfekt sein, um attraktiv zu wirken. Schliesslich besteht der Körper aus vielen Teilen und niemand ist vom Scheitel bis zur Sohle perfekt. Und trotzdem versucht die Mode- und Lifestylebranche uns genau das vorzugaukeln. Schau genauer hin und achte auf das grosse Ganze. Das ist für mich die Message hinter dieser tollen Fotostrecke.

Und trotzdem mag ich meine Falten und Fältchen nicht. Und einen hängenden Busen schon gar nicht. Wobei hängend ja noch akzeptabel wäre. Drei Kinder später und mein Busen war von Körbchengrösse A auf Size Zero geschrumpft. In meinen kühnsten Träumen hätte ich nicht den Mut gehabt, mich so fotografieren zu lassen. Und das, obwohl ich den Rest von mir sehr in Ordnung fand. Diesen Frauen gebührt mein allergrösster Respekt.

Eine Freundin von mir sagt, meine Einstellung diesbezüglich sei widersprüchlich. Für mich ist es jedoch kein Widerspruch, Frauen mit Falten, Dellen und Streifen schön zu finden und mich gleichzeitig an meinen eigenen Makeln zu stören. Ich kaufe schliesslich auch nicht jedes Kleid, das mir gefällt. Wenn es nicht meinem Stil entspricht oder ich darin wie eine Kartoffel im Jutesack aussehe, dann bleibt das schöne Teil halt im Laden.

Tatsache ist – jedes Land, jede Gesellschaft und jede Zeit hat ihre Schönheitsideale. Ob wir nun wollen oder nicht. Selbst im tiefsten Dschungel gibt es Völker, weit ab von der sogenannten Zivilisation, die ihre ganz eigenen Vorstellungen von Schönheit haben. Seien dies die Halsringe der Padaung-Frauen oder das Volk der Mursi in Äthiopien, wo die Frauen grosse Lippenteller tragen.

Der Schönheitskult hat auf die Gesellschaft und Entwicklung der Menschheit schon immer einen starken Einfluss gehabt. Natürlich ist es bewundernswert, dass immer mehr Menschen den Mut haben, sich so zu zeigen, wie sie sind. Wir wissen schon lange, dass die uns gezeigten Schönheitsideale nichts anderes als Kunstprodukte sind. Am Computer entstandene Wunderwerke. Fernab jeglicher Realität.

Ich bin nicht naiv. Ich entspreche keinem Schönheitsideal. Das war und ist nicht mein Bestreben. Das Leben ist wunderbar aber mit der Zeit hinterlässt es eben seine Spuren. Auch am Körper. Aber ich weiss, dass ich etwas dagegen tun kann.

Jetzt kommen sicher diejenigen, die mir sagen möchten: „akzeptier’ dich doch einfach so, wie du bist“. Das tue ich bis auf ein paar wenige Ausnahmen. Warum soll ich nichts gegen meine Zornesfalten oder gegen Falten an den Mundwinkeln unternehmen, wenn sie mich derart stören? Ich wollte beim täglichen Blick in den Spiegel nicht mehr länger über meinen nicht mehr vorhandenen Busen nachdenken. Der Frust darüber wurde nämlich immer grösser. Dafür ist mir meine Zeit viel zu kostbar.

Klar, ich könnte es mir schönreden, bis ich es dann irgendwann akzeptiert hätte. Das kann durchaus funktionieren. Die moderne ästhetische Chirurgie bietet mir als Frau jedoch die Möglichkeit, solche Makel effizient und zeitsparend zu beheben. Das kostet zwar Geld und es kann kurzfristig Schmerzen verursachen, dafür gewinne ich, was mein Äusseres betrifft, Zufriedenheit. Und das ist es mir persönlich allemal wert. Ich möchte mich ganz einfach in meinem Körper wohlfühlen. Dafür verzichte ich auf schweineteure Antifaltencrème, die eh nichts bringt.

Seine Makel selbstbewusst zur Schau zu stellen in Ehren. Aus meiner Sicht wäre es jedoch geheuchelt, wenn man daraus gleich ein neues Schönheitsideal kreieren will. Ich glaube, das wird so nicht funktionieren. Oder doch? Ich kann mich täuschen.

Um dem gängigen Schönheitsideal entgegen zu wirken, gibt es Frauen, die sich ihre Achselhaare wieder wachsen lassen. „Igitt“, sag ich da nur. Für mich sind das ein paar wenige Ausnahmen, die hoffen, damit einen neuen Schönheitstrend generieren zu können. Bisher hat sich das gottseidank noch nicht durchgesetzt und selbst wenn…
Meiner Meinung nach gehören Haare auf den Kopf und damit Basta. Nein, ich renne nicht blind jedem (angeblichen) Schönheitstrend hinterher. Ich prüfe immer, ob’s zu mir passt und ob’s mir auch wirklich gefällt.

Mir ist durchaus bewusst, dass ich durch Botox, Hyaluron und Co. nicht jünger aussehe. Aber ich fühle mich damit deutlich besser und genau das ist für mich der springende Punkt. Seit mir mein Bikinioberteil nicht mehr bei jeder Bewegung zum Hals hinauf rutscht, fühle ich mich zudem wieder weiblicher. Mir ist klar, dass ich älter werde und sich mein Körper verändert. Kein Wässerchen, keine Crème und auch der Gang zum Schönheitschirurgen können diesen Prozess stoppen.

Wie bei allem kann man es auch in Sachen Schönheit übertreiben. Die Hollywood Fratzen sind da abschreckende Beispiele. Auch für mich. Zuviel des Guten ist da nicht wirklich von Vorteil. Für mich steht trotz allem die Natürlichkeit im Vordergrund.

Noch vor zehn Jahren war die Vorstellung, dass ich mir eines Tages Botox und Filler unter die Haut spritzen lasse, undenkbar. Bevor sich mein Körper verändert hat, fand ich eine Brust-OP so was von unnötig und überflüssig. Wenn Jemand, der (noch) keine Falten hat, mir sagt, dass er nicht verstehen könne, warum ich mir „das Ganze“ antue und dass ich damit auf keinen Fall besser aussehe, muss ich schmunzeln. Diese Aussage kann ich gut verstehen, schliesslich habe ich vor noch nicht allzu langer Zeit ebenso zu diesem Thema gedacht. Doch die Zeiten haben sich nun mal geändert. Warum soll gerade ich natürlich altern? Früher gab es diese Möglichkeiten noch gar nicht. Da musste man sich zwingend mit den nackten Tatsachen arrangieren oder konnte sie im besten Falle gut kaschieren. Ich bin froh, dass das heute anders ist und ich gewisse altersbedingte Prozesse verlangsamen kann.

Ob ich mir ein Facelifting verpassen würde, hat mich meine Freundin gestern gefragt. Nein, auf gar keinen Fall! Und wenn ich wirklich ehrlich bin? Ich kann es nicht definitiv ausschliessen.

Wahre Schönheit kommt von Innen. Ja, einverstanden. Schönheit geht weit über äussere Merkmale hinaus. Richtig. Ich denke jedoch, dass es meiner inneren Schönheit in keinster Weise schadet, wenn ich dank der heutigen Schönheitschirurgie zwischendurch äusserlich etwas nachhelfe und mich damit deutlich besser fühle.

Hand aufs Herz. Bist DU zufrieden mit deinem Aussehen? Findest du dich attraktiv oder fällt dein Blick zuerst auf deine Makel, auf das, was dir in deinem Gesicht und/oder an deinem Körper nicht perfekt erscheint? Wie stehst Du zu Botox & Co? Freue mich auf Eure Feedbacks, Pro & Contra.

Verfasst von

Ich stehe mitten im Leben und schreibe darüber. Über das Leben mit all seinen Facetten. Mal bunt, mal düster, mal witzig, mal ernst. So, wie das Leben eben ist. Immer in Bewegung. Sowohl privat (Mutter von drei Kindern 9, 10 & 12 Jahre alt) als auch beruflich interessiere ich mich für Psychologie - ich bin diplomierte Einzel-, Paar- und Familienberaterin. Schreiben ist nicht einfach ein Hobby - es ist Leidenschaft.

4 Kommentare zu „Von Schönheitsidealen, Hängebusen, Falten, Dellen, Botox & Co

  1. Ich finde, man kann niemanden dafür verurteilen, wenn man nicht selbst in dessen Schuhen gesteckt hat. Persönlich würde ich nichts an mir machen lassen, aber vielleicht liegt das nur daran, dass ich im Grossen und Ganzen zufrieden bin. Klar könnten da weniger Falten sein und die Brust voller, aber für mich ist es ok und mein Horror vor OPs und möglichen Komplikationen ist sowieso sehr groß, da würde ich mir nicht mehr antun wollen als unbedingt notwendig.

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  2. Ja, jede OP birgt ein Risiko, das es in jedem Fall abzuwägen gilt. Schön, dass Du zu den Wenigen zu scheinen gehörst, die mit ihrem Aussehen zufrieden sind. Ich finde das super. Herzlich, Franziska

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  3. Meine Oma war eine grausame, verhärmte und gemeine Frau gewesen. Ich bin bei ihr aufgewachsen. Und schon als Kind habe ich mir geschworen, dass egal was in meinem Leben noch an Schmerz und Qual kommen sollte, ich niemals, niemals so aussehen wollte.
    Niemals wollte ich verhärmte, bittere, zornige Falten haben. Und so achtete ich schon immer darauf, dass mein Blick nicht zu lange, zu bitter wurde.
    Noch mit 38 stand ich vor dem Spiegel und suchte Fältchen – da waren keine.

    Inzwischen bin ich fast 46 und habe sie endlich 🙂
    Unzählige Lachfältchen um die Augen – und ich bin glücklich darüber.

    Mein Mann sagt mir Tag für Tag, wie schön er mich findet – mit meinem großen Po, den großen, schweren, hängenden Brüsten und dem so kuschelig weichen, knuffigen Bauch.
    Auch wenn ich noch so gern ein Elfchen wäre, so habe ich eher den Körperbau eines Bauarbeiters – die Schwere meiner Geschichte hat mich stark und stabil werden lassen.

    Als Jugendliche hatte ich durch meinen Mißbrauch ein riesen großes Problem damit, Frau zu werden – ich dachte oft, wäre ich ein Junge gewesen, hätte mich keiner mißbraucht.
    Ich haßte mein Geschlecht; meine Lust; meinen Körper – und man sah mir das auch an.

    Irgendwann – durch all die liebevollen, schwärmerischen und verzückten Äußerungen der Freier meiner Sexarbeiterinnen-Karriere und deren Bereitschaft, Geld für meinen Sex zu bezahlen – kam ich nicht umhin, mich lieben zu lernen; mich mit anderen Augen zu sehen und mich anzunehmen.

    Sicher – es gibt vieles an mir, das man „verschönern“ könnte.
    Die Gewalt in meiner Kindheit hat auch Spuren hinterlassen, welche alleine aus gesundheitlichen Gründen „reparaturwürdig“ wären. Meine Nase läßt mich durch einen Bruch z.Bsp. kaum atmen. Meine Zähne sind durch das Verbot, sie zu putzen, heute nicht wirklich die schönsten.

    Aber wenn ich darüber nachdenke, habe ich immer das Gefühl, ich wäre dann nicht mehr ICH.
    Ich, mit meiner Geschichte; meinem Leben; meinen Erfahrungen – ist doch mein Körper ein Spiegel all dessen.

    Und ich liebe meine Weichheit; meine Sanftheit; die Lachfältchen; die Vertrautheit des Gesichtes im Spiegel.

    Würde ich mich noch erkennen, wenn ich irgendetwas an mir „machen“ ließe?!
    Wäre das dann noch ICH?
    Wo wären dann meine Erlebnisse und Prägungen hin gegangen, ließe ich sie abschneiden oder aufblasen?

    Ich sehe mein Ziel darin, mich zu lieben, wie ich bin – mit allem.
    Und anzuerkennen, dass mein Leben in meinem Körper Ausdruck findet.
    Und mein Leben es Wert ist, diesen Raum zu haben.

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