Arschlochkinder zum Zweiten

Zur Zeit lese ich ein Buch von Sabine Thielsen mit dem spannenden Titel „Hexenkind“. Es geht um eine Frau, die in einem abgelegenen Haus im Wald brutal ermordet aufgefunden wird. Jemand hat ihr die Kehle durch geschnitten, eine sehr blutige und unschöne Angelegenheit. Wer’s war, weiss ich noch nicht, habe erst gerade mit dem Lesen des Buches angefangen. Diese Frau hat jedoch eine Tochter. Das Mädchen heisst Elsa. Bereits am Anfang des Buches wird immer wieder detailliert beschrieben, wie das Mädchen von Beginn ihres ersten Atemzugs ständig und immer wieder laut brüllt. Sie brüllt als Baby, sie schreit als Kleinkind und bringt ihre Eltern stellenweise an den Rand des Nervenzusammenbruchs. Das Geschrei des kleinen Terrorzwergs ist so gut beschrieben, dass ich es beim Lesen beinahe hören kann. Wenn sie nicht Zeter und Mordio brüllt, dann wirft die kleine Elsa gerne Gegenstände durch die Luft. Bevorzugt Dinge, die dabei zu Bruch gehen. Oder sie schlägt mit dem Besteck pausenlos auf den Tisch. Jetzt lese ich gerade die Stelle, wo Elsa in den Kindergarten kommt. Auch die Kindergärtnerin hat so ihre liebe Mühe mit dem kleinen Mädchen. Elsa ist auch dort kaum zu bändigen. Sie schreit und tobt wie es ihr gerade in den Kram passt. Klein-Elsa ist ein richtiges Biest. Oder ist sie etwa ein Arschlochkind, ein sogenanntes AK?

Aufgrund dieser Frage, poste ich untenstehend nochmals meinen Blog vom März 2014, den ich jedoch etwas überarbeitet habe:

Arschlochkinder

Auf http://www.stupidedia.org/stupi/ findet man folgende Definition des Begriffs:

„Als Arschlochkind (kurz: AK, politisch korrekt auch: Einlaufkind) bezeichnet man einen verzogenen jungen Menschen, der meist durch nervenzerreißende Schreilaute bei Nichterlangen seines Willens auffällt. Das Arschlochkind steht hierbei im krassen Gegensatz zum wohlerzogenen Kind, welches eher selten anzutreffen ist und daher hier nicht näher beschrieben werden muss. Wenn die AK-Eltern in der Nähe sind, sollte man trotz des Wahrheitsgehalts davon absehen, das Arschlochkind als solches zu bezeichnen. Die meisten Eltern haben hierfür nämlich wenig Verständnis.“

Als ich selbst noch keine Kinder hatte, lief von Michael Mittermeier das Comedy Programm „Back to life“. Sehr lustig und wie ich finde absolut empfehlenswert. Hier habe ich den Begriff Arschlochkinder zum allerersten Mal gehört. Ich war einerseits schockiert, andererseits aber auch amüsiert. Arschlochkinder? Das geht doch gar nicht. Diesen Ausdruck fand ich ziemlich grenzwertig. Kinder sind doch in jedem Fall unschuldige, liebenswerte Wesen. Eigene Erfahrung mit Kindern hatte ich kaum, weil damals mein gesamtes Umfeld (noch) kinderlos war.

Heute weiss ich (leider), dass der gute Mann Recht hatte. Es gibt sie, diese Kinder. Und ich finde sie so ganz und gar nicht zum Lachen. Arschlochkinder sind laut, undankbar, unhöflich, respektlos und sehr oft auch aggressiv, wenn sie ihren Willen nicht bekommen. Sie sind unsympathisch und ganz schön anstrengend. Genau so sind sie.

Und wer hat Schuld? Ich sag’s, wie’s leider in den meisten Fällen ist: die Eltern. Oder wie Herr Mittermeier sie nennt: „Die Arschlochkindeltern“ (AK-Eltern).

Häufig festzustellen ist, dass die AK-Eltern ihren Kindern wenig bis gar keine Grenzen setzen. Das Kind soll sich frei entfalten und sich wohl fühlen. Klappt aber nicht wirklich. Diese Kinder werden nach Strich und Faden verwöhnt. Man spürt deutlich, dass diese Kinder tatsächlich schon als ganz junge, kleine Menschen glauben, die Welt sei ihr ganz eigener, grosser Spielplatz. Ein Spielplatz für laute, quengelnde, nervige AKs! Getreu dem Motto: Mir gehört die Welt und ich kann sowieso machen, was ich will. Und wenn ich’s nicht bekomm, dann nehm ich’s mir halt. Wenn’s sein muss auch mit Gewalt. In den Augen der AK-Eltern macht ihr Nachwuchs immer alles toll und vor allem richtig, auch in solchen Situationen.

Oft haben diese Kinder grosse Mühe, sich an Regeln zu halten. Wie denn auch, wenn sie solche von zu Hause kaum oder gar nicht kennen?

Mit dem Begriff „Verwöhnen“ meine ich übrigens nicht „emotionale Zuwendung“. Denn gerade diese stärkt ein Kind und gibt ihm den nötigen Rückhalt zur Bewältigung der täglich anfallenden Lebensaufgaben. Die AKs werden nicht erzogen sondern verzogen.

AK-Eltern tun ihren Kindern damit keinen Gefallen. AKs sind nämlich verdammt anstrengend. Für die Lehrer und auch für die Freunde, sofern sie denn überhaupt welche haben. Ich bin mir sicher, dass diese Kinder auch für ihre eigenen Eltern anstrengend sind, obwohl diese das wohl kaum bestätigen würden, wenn man denn danach fragen würde.

Kinder benötigen meiner Ansicht nach eine sichere Bindung. Diese wiederum setzt voraus, dass die Eltern in dem, was sie tun, sicher sind. Heute sind leider viele „moderne“ Eltern gestresst, gehetzt und häufig voller Zukunftsängste. Das macht unsicher. Kinder brauchen aber stabile Eltern, die auch einmal ohne laute Stimme, sondern ruhig und selbstverständlich erläutern, was richtig und was falsch ist und darüber auch nicht die geringste Diskussion zulassen. Auch mir passiert das immer wieder mal, dass ich mich auf Diskussionen einlasse, die am Ende zu nichts führen. Kinder wollen nicht gleichberechtigt sein. Das fällt vielen modernen Eltern oft schwer.

Kinder haben Freunde. Freunde, die gleichaltrig sind. Eltern müssen nicht die besten Freunde ihrer Kinder sein. Ich setze meinen Kindern immer mal wieder Grenzen und nehme in Kauf, dass ich in diesem Augenblick die gemeinste Mutter der ganzen Welt bin. Das ist völlig in Ordnung und spricht für eine absolut gesunde Entwicklung.

Kindererziehung ist nicht immer leicht. Das hat noch niemand behauptet. Zumindest niemand, den ich kenne. Viele kleine und grosse Herausforderungen, die tagtäglich auf uns warten und uns als Eltern herausfordern. Erziehung kann man nicht lernen. Es braucht viel Herz und einen gute Portion gesunden Menschenverstand. Und ja, Kraft und Ausdauer. Kindererziehung ist definitiv kein Spaziergang.

Aber ich finde, es lohnt sich! Denn sonst wird aus einem kleinen AK im Nu ein Grosses. Und davon gibt’s ja schon mehr als genug auf dieser Welt!

Ich frag’ jetzt nicht, ob ihr ein AK oder AK-Eltern kennt…Aber Eure Erfahrungen interessieren mich natürlich trotzdem brennend.

Verfasst von

Ich stehe mitten im Leben und schreibe darüber. Über das Leben mit all seinen Facetten. Mal bunt, mal düster, mal witzig, mal ernst. So, wie das Leben eben ist. Immer in Bewegung. Sowohl privat (Mutter von drei Kindern 9, 10 & 12 Jahre alt) als auch beruflich interessiere ich mich für Psychologie - ich bin diplomierte Einzel-, Paar- und Familienberaterin. Schreiben ist nicht einfach ein Hobby - es ist Leidenschaft.

2 Kommentare zu „Arschlochkinder zum Zweiten

  1. Kenne ich bei uns im Umfeld so gar nicht (wahrscheinlich zum Glück). Alle sind eher eine Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche. Es wird viel geschmust, gespielt etc., aber es gibt Regeln und sie werden eingehalten. Punkt. Könnte auch herkunftsbedingt sein, Russen halten grundsätzlich nicht viel von antiautoritärer Erziehung. LG

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