Keine Bagatelle – Wenn Eltern schlagen/Teil 2

Vielleicht ahnt ihr es schon? Es stimmt, ich tue mich schwer mit dem zweiten Teil meines Blogs „Keine Bagatelle – wenn Eltern schlagen“.

Es mag daran liegen, dass solche Texte keinerlei Sinn machen, wenn man nicht ehrlich ist. Denn nur so kann ich aufzeigen, welche Auswirkungen das Schlagen von Kindern auf ihr Leben hat.

Beim Recherchieren im Internet bin ich folgende Seite gestossen:

http://www.persoenlichkeits-blog.de/article/319/welche-folgen-hat-es-als-kind-geschlagen-worden-zu-sein

Hier werden die möglichen Folgen aufgelistet, die diese Art von körperlicher Züchtigung auf Erwachsene, die als Kinder geschlagen wurden, haben kann.

Drei Punkte sind mir aufgrund meiner eigenen Erfahrungen besonders ins Auge gesprungen:

Abgrenzungsproblematik

Mir fällt es nicht immer leicht, meine Grenzen zu respektieren. Und auch den Drang, es allen recht machen zu wollen, kenn ich nur zur Genüge. Um seine Grenzen zu verteidigen, muss man nämlich eine gewisse Menge an Konfliktbereitschaft mitbringen und darin liegt nicht gerade meine Stärke.

Ich bin mir dessen jedoch mehr als bewusst und arbeite auch daran. Zu meinem eigenen Wohl. Denn wenn man seine Grenzen nicht kennt und respektiert, läuft man Gefahr, auszubrennen.

Schlagen ist eine Grenzüberschreitung. Kinder zu schlagen, ist brutal. Auch ein Klaps ist nicht in Ordnung, selbst dann, wenn er kurzfristig gerechtfertigt erscheint.

Sonst wäre es ja auch okay, wenn man seinen Partner schlägt, wenn er mal nicht so tickt, wie wir uns das vorstellen. Wenn ein Mann eine Frau schlägt, ist das gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Und das zu Recht.

Wenn aber eine Mutter ihrem Kind eine Ohrfeige verpasst, wird es leider von vielen Menschen akzeptiert. Oft wird es gar verharmlost: „Ein Klaps hat schliesslich noch niemandem geschadet“, ist so ein gängiger Spruch, den man immer mal wieder hört. Mich würde interessieren, wie diese Menschen reagieren würden, wenn ihnen der Partner in einer Konfliktsituation eine Ohrfeige verpassen würde…

Eben, mir scheint, der Fall liegt klar auf der Hand. Schlagen ist in jedem Fall ein No-Go.

Aggressivität

Ein heikles Thema. Weil, ich gebe es ungerne zu, ja, ich spüre ab und zu eine Aggressivität in mir, die mich manchmal selbst ganz schön ins Staunen versetzt. Ich lebe diese Gefühle nicht aus und schlage keine Menschen. Aber es kommt durchaus vor, dass ein Tisch oder ein Schrank herhalten muss, wenn ich wütend bin. Erst jetzt wird mir bewusst, dass diese Wut etwas mit den körperlichen Bestrafungen zu tun haben könnte. Denn unterdrückte Gefühle verschwinden leider nicht so einfach. Wenn ich zurückdenke, erinnere ich mich gut daran, wie wütend und auch verzweifelt ich jeweils war, wenn ich die Hosen runterlassen musste. Und wie erniedrigt und gedemütigt ich mich fühlte. Diesen Zorn unterdrückt man aber als Kind. Schluckt ihn runter und wischt sich die Tränen aus dem Gesicht. Und die Eltern denken tatsächlich, es nütze etwas. Lektion gelernt. Aus eigenen Erfahrung kann ich sagen: Ihr irrt euch, liebe Eltern.

Ich glaube ich war kein braveres Kind als Kinder, die nicht geschlagen wurden. Trotz der Schläge habe auch mich nicht immer an die Regeln gehalten. Ich hatte vielleicht einfach mehr Tricks auf Lager, damit ich beim Nichteinhalten der Regeln nicht erwischt wurde. Aus Angst vor den Konsequenzen, denen ich mir durchaus jederzeit bewusst war. Angst vor den Eltern zu haben ist jedoch kein guter Begleiter.

Die eigenen Kinder

Ob ich die Tendenz spüre, mich gegenüber meinen Kindern so zu verhalten, wie sich meine Eltern mir gegenüber verhalten haben? Nein, definitiv nein. Schlagen ist für mich ein No-Go. Ich erziehe meine Kinder gewaltfrei, das war von Anfang an klar.

Und doch ist auch mir schon die Hand ausgerutscht. Wie gesagt, so ein Blog macht keinen Sinn, wenn man nicht ehrlich ist. Auch wenn es schon lange her ist und ich es an einer Hand abzählen kann. Und eben, es war „nur“ ein Klaps. Aber auch das ist nicht in Ordnung. Natürlich habe ich nun den Drang, mich zu rechtfertigen, es zu erklären. Zum Beispiel, dass es schon sehr lange nicht mehr vorgekommen ist. Dass ich es getan habe, weil ich situativ überfordert war. Und wie schlecht ich mich danach gefühlt habe. Weil ich etwas getan habe, das ich selbst verabscheue. Auch hier hat man die Tendenz, es zu bagatellisieren  – als Elternteil steht man dabei allerdings auf der anderen Seite.

Gedanken / Ein Tag danach

Und heute sitze ich da, nachdem ich den Text eigentlich schon fertiggestellt habe, und frage mich, ob ich nicht zu streng mit mir ins Gericht gehe. Der berühmt-berüchtigte Klaps auf den Hintern hat nämlich mit der Art von Strafe, wie ich sie als Kind erhalten habe, gar nichts zu tun. Nicht einmal annähernd.

Kinder brauchen Grenzen und Regeln, an denen sie sich orientieren können und die sie auf dem Weg vom Kind zum Erwachsenen begleiten. Kinder können uns manchmal ganz schön nerven und herausfordern, in dem sie Grenzen überschreiten, oft sogar mit voller Absicht, um auszuprobieren, wie weit sie gehen können.

Regeln und Grenzen bedeuten Sicherheit und Halt. Und Geborgenheit. Wenn Eltern schlagen, begehen sie selbst eine Grenzüberschreitung. Doch auch wenn uns die Kinder noch so fordern, müssen wir Eltern andere Wege finden, wie wir in einer solchen Situation reagieren.

Die Geduld von Eltern ist jedoch nicht grenzenlos und es ist nicht immer einfach, adäquat zu reagieren.

Und bei erneuter Betrachtung ist so ein Klaps auf den Po vielleicht nicht mehr oder weniger als das Anzeigen, dass die eigene Grenze erreicht ist. Es signalisiert dem Kind „bis hierhin und nicht weiter“.

Eltern sein bedeutet nicht nur Erziehung, sondern es bedeutet auch, sich selbst neu zu erfahren und die täglichen kleinen und grossen Herausforderungen mit einer gewissen Gelassenheit anzugehen. Es bedeutet aber auch, sich selbst anzunehmen und zu akzeptieren, dass man nicht perfekt ist und dass Fehler ebenso dazugehören wie die Tatsache, dass wir aus ihnen lernen können.

Verfasst von

Ich stehe mitten im Leben und schreibe darüber. Über das Leben mit all seinen Facetten. Mal bunt, mal düster, mal witzig, mal ernst. So, wie das Leben eben ist. Immer in Bewegung. Sowohl privat (Mutter von drei Kindern 9, 10 & 12 Jahre alt) als auch beruflich interessiere ich mich für Psychologie - ich bin diplomierte Einzel-, Paar- und Familienberaterin. Schreiben ist nicht einfach ein Hobby - es ist Leidenschaft.

6 Kommentare zu „Keine Bagatelle – Wenn Eltern schlagen/Teil 2

  1. Liebe Franziska,
    vielen Dank für deine ehrlichen Worte. Ich finde deine beiden Artikel zu diesem Thema sehr berührend. Es ist ein wirklich schweres Thema und der eigenen Vergangenheit ehrlich und aufrichtig zu begegnen kann sehr schmerzhaft sein. Ich habe großen Respekt, dass du das dann auch noch mit uns teilst!
    Viele liebe Grüße
    (ebenfalls) Franziska

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  2. Schläge auf den Po und Ohrfeigen sind wichtig damit das Kind lernt wer anschafft und wer folgen muß. Wird das Kind gezüchtigt, spürt es einen Schmerz. Wahlweise kann dies noch mit Entblößen des Gesäßes vor anderen Kindern (Scham) und körperlichen peinlichen Reaktionen (z.B. Weinen bei Buben) ergänzt werden. Das Kind erleidet den Schmerz und stellt den Zusammenhang zwischen dem Fehlverhalten her. Möchte es den Schmerz nicht abermals erleiden wird es seinen eigenen Willen in den Tod geben und dem Erwachsenen folgen, sich unterordnen. Deshalb würde früher auch in der Berufsausbildung, beim Militär, im Gefängnis und in der Schule geschlagen. In vielen Staaten ist dies heute noch der Fall. In Hauptschulen würde ich es auch weiterhin beibehalten und in handwerklichen Ausbildungen weil diese Kinder ohnehin mehr praktische Fertigkeiten als intellektuelle Begabungen haben. Wichtig ist natürlich, daß aus maßvollen Schlägen keine Mißhandlungen werden.

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  3. Guten Tag, ich muss gestehen, dass ich mir überlegt habe, ob ich Ihren Beitrag auf meiner Seite freischalten soll oder nicht, da er doch in allen Punkten meiner Ansicht auf die Welt widerspricht. Ehrlich gesagt, stehen mir vor Schreck die Haare zu Berge.

    Sie schreiben: „Das Kind erleidet den Schmerz und stellt den Zusammenhang zwischen dem Fehlverhalten her. Möchte es den Schmerz nicht abermals erleiden wird es seinen eigenen Willen in den Tod geben und dem Erwachsenen folgen, sich unterordnen.“

    Warum soll ein Kind Schmerzen erleiden und sich unterordnen? Autorität kann man auch ohne Schläge und damit verbundene Schmerzen einfordern, davon bin ich felsenfest überzeugt. Im Wort „erleiden“ steckt das Wort „Leiden“. Und Kinder sollten in diesem Zusammenhang niemals unter der Erziehung ihrer Eltern leiden. Ihre Ansichten tendieren meiner Meinung nach in eine Zeit, die in unserer westlichen Gesellschaft im Grossen und Ganzen der Vergangenheit angehört. Und das ist gut so.

    Weiter schreiben Sie: „In Hauptschulen würde ich es auch weiterhin beibehalten und in handwerklichen Ausbildungen weil diese Kinder ohnehin mehr praktische Fertigkeiten als intellektuelle Begabungen haben.“

    Dazu kann ich nur folgendes sagen: Woher massen Sie sich an

    a) darüber Bescheid zu wissen, dass Kinder in handwerklichen Ausbildungen nicht über genug intellektuelle Fähigkeiten verfügen und

    b) vorzuschlagen, dass man Kinder, die handwerklich und damit gemäss ihren Worten nicht oder weniger intellektuell begabt sind, auch als Jugendliche noch schlagen soll?

    Ich frage Sie ernsthaft: Geht’s Ihnen noch gut?

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